Die nachhaltigen Entwicklungsziele der UNO – UN Sustainable Development Goals“ (SDG) – gewinnen in der österreichischen Wirtschaft kontinuierlich an Bedeutung. Im Rahmen eines Wirtschaftsgesprächs der Exzellenzplattform Leitbetriebe Austria, das in Zusammenarbeit mit den Netzwerkpartnern respACT und VBV-Vorsorgekasse veranstaltet wurde, diskutierten Vertreter der österreichischen Leitbetriebe über ihre Nachhaltigkeitsstrategien.

Die Sustainable Development Goals sind politische Zielsetzungen der Vereinten Nationen (UN), die der Sicherung einer nachhaltigen Entwicklung auf ökonomischer, sozialer sowie ökologischer Ebene dienen sollen. Die 17 Ziele traten am 1. Jänner 2016 mit einer Laufzeit von 15 Jahren (bis 2030) in Kraft. Zu den Zielen zählen u. a. die Beendigung von Armut und Hunger, die Gewährleistung von Bildung für alle, die Gleichstellung der Geschlechter, nachhaltiges Wirtschaftswachstum, nachhaltige Konsum- und Produktionsweisen und die Bekämpfung des Klimawandels.
http://sustainabledevelopment.un.org/?menu=1300

Ursula Simacek, Präsidentin von respACT:
Konkrete Ziele, messbare Ergebnisse für Nachhaltigkeitsstrategien
„Die nachhaltigen Entwicklungsziele der UNO – UN Sustainable Development Goals“ (SDG) – gewinnen in der österreichischen Wirtschaft kontinuierlich an Bedeutung. Bis zu 500 heimische Unternehmen nehmen mittlerweile detaillierte Analysen ihrer Betriebsabläufe auf Basis der 2008 beschlossenen 17 SDGs vor. Globale Herausforderungen können nur gemeinsam gestemmt werden. Es gilt, ganzheitliche Konzepte für die Verknüpfung von sozialen, ökologischen und wirtschaftlichen Belangen zu entwickeln und die Sustainable Development Goals (SDGs) bieten hierfür den geeigneten Rahmen, diese Ziele für Unternehmen auch messbar zu machen.

Monica Rintersbacher, Geschäftsführerin Leitbetriebe Austria:
Leitbetriebe haben Vorbildfunktion im Hinblick auf ethisches Handeln
„Ökologisch und sozial vorbildliches Handeln ist ein Muss-Kriterium für einen Leitbetrieb und im Zuge unserer Zertifizierungsprozesse sehen wir sehr genau, dass hier Jahr für Jahr Fortschritte erzielt werden. Besonders erfreulich ist dabei die hohe Eigenmotivation der Unternehmen, die dazu führt, dass die meisten Leitbetriebe heute bestehende Normen übererfüllen. Dabei zeigt sich, dass Nachhaltigkeit nicht auf Kosten der Ertragskraft geht, sondern das genaue Gegenteil: Nachhaltige arbeitende Betriebe sind mittel- und langfristig sogar profitabler.“

Heinz Behacker, Vorstandsvorsitzender der VBV-Vorsorgekasse:
US-Staatsanleihen passen nicht zu nachhaltigen Investments
„Der Grundsatz, Anlageentscheidungen auch nach ethischen Kriterien zu treffen, hat nur dann Wert, wenn er auch beachtet wird, wenn es nicht so einfach geht und im Einzelfall sogar schmerzt. Es reicht z. B. nicht, auf Investitionen in Ländern mit autoritären Regimes zu verzichten. Zu unseren ethischen Kriterien gehört auch die Ablehnung der Todesstrafe und daher investieren wir auch ganz konsequent nicht in US-Staatsanleihen, auch wenn das unser Investmentspektrum deutlich einengt.“

Roman Chromik, Geschäftsführer Cards & Systems EDV-Dienstleistungs GmbH: Umfassende Verfügbarkeit von Daten erfordert neue „Marketingethik“
„Die Möglichkeiten zur Erfassung, Speicherung, Auswertung und Verwertung von Daten sind mittlerweile so groß, dass die Frage, wie man diese nutzt, eigentlich keine technische Herausforderung mehr sein sollte. Vielmehr müssen wir als Unternehmen eine Marketingethik entwickeln, also von Wertvorstellungen getriebene Leitlinien, was wir eigentlich anbieten dürfen und wollen. Sich ausschließlich an gesetzlichen Restriktionen zu orientieren, reicht nicht aus.“

Marcus Weixelberger, Geschäftsführer Gekko it-solutions:
Personelle Kontinuität ist die Nachhaltigkeit der IT-Industrie
„Gerade in unserem Unternehmen sind Stress, manchmal ressourcenintensive Kundenkontakte und nicht immer planbare Arbeitszeiten unvermeidlich – an sich die klassischen Umstände, die zu Fluktuationsraten führen können. Wir haben dies als Herausforderung für uns gesehen und konsequent daran gearbeitet, ein außerordentlich positives Arbeitsumfeld zu schaffen. Dazu gehören viele Einzelmaßnahmen, manche davon aufwendig, manche nicht. Als eines der Highlights – neben Angeboten für Yoga, Physiotherapie und Fitness- , das wesentlich dazu beiträgt, dass sich unsere 40 Mitarbeiter bei uns wohlfühlen, haben wir eine Lärchenholz-Terrasse mit rund 500 m², auf der zwischen allem Stress wirklich Urlaubsfeeling aufkommt.“

Wilfried Lehner, Leiter Finanzpolizei:
Polizeiliche Maßnahmen sind gut, gesellschaftliches Verantwortungsbewusstsein ist besser

„Wenn Unternehmen die gesetzlichen Vorschriften einhalten, sind sie in aller Regel zumindest bereits auf einem guten Weg zu ethisch korrektem Verhalten. Polizeiliche Maßnahmen allein werden nie ausreichen. Mindestens ebenso wichtig ist gesellschaftliches Verantwortungsbewusstsein. Wenn beispielsweise eine Leistung so günstig angeboten wird, dass sie erkennbar nicht gesetzeskonform erbracht werden kann – etwa indem Umweltvorschriften missachtet werden, Lohndumping anzunehmen ist, etc. – dann sollte sich ein Auftraggeber nicht darüber freuen, sondern es müssen die Alarmglocken schrillen.“

Das ausführlichere Ergebnispapier können Sie hier herunterladen, die Presseaussendung finden Sie unter diesem Link.

Copyright: smo-photography / Simone Kantz

TEILEN