Viktoria und ihr Husar wird international gewürdigt

Operette kann alles: Revue, Singspiel, Tragödie, große Oper, Film, Komödie, Kabarett, Schauspiel. Viel zu selten wird dieses vielfältige Genre mit Preisen und medialer Aufmerksamkeit belohnt, deswegen hat BR-KLASSIK den „Operetten-Frosch“ ins Leben gerufen. Die internationale hohe Auszeichnung 2016 geht an die Seefestspiele Mörbisch für „Viktoria und ihr Husar“ in der Inszenierung von Andreas Gergen.

BEGRÜNDUNG:  Sibirien, Japan, Russland, Ungarn – Paul Abrahams Viktoria und ihr Husar ist eine abenteuerliche musikalische Reise. Da kann man sich dramaturgisch leicht verfahren. Auf der Seebühne Mörbisch ist es ein rotes Flugzeug, das den fehlenden roten Handlungsfaden aufnimmt. Andreas Gergens Inszenierung macht durch solch kleine Kniffe die revuehafte Dramaturgie von Abrahams Operette plausibel, deren Handlung er trotzdem durchaus ernst nimmt, besonders was die Personenregie betrifft.

Im Zentrum dieser Handlung steht Viktoria. Dagmar Schellenberger meistert die Titelrolle souverän, singt gut, spielt mit sehr viel Leidenschaft auch in den Dialogen. Dem Schauspieler Andreas Steppan gelingt es sogar, Koltays etwas blassem Rivalen Cunlight durchaus Statur zu verleihen. Noch wichtiger als Viktoria und ihr Husar sind in Abrahams Operette freilich die Buffo-Paare. Und davon gibt es hier gleich zwei, welche passgenau besetzt sind: Katrin Fuchs und Andreas Sauerzapf entwickelten als Janczi und Riquette echt ungarisches Temperament, Peter Lesiak und Verena Barth-Jurca zeigten als Ferry und O Lia San tänzerische Bravour.

Überhaupt der Tanz! Er ist ein wesentliches Element von Abrahams Musik und wird auf der riesigen Seebühne virtuos eingesetzt; was bisher in Mörbisch viel zu selten der Fall war. Simon Eichbergers Choreographie zeigt, wie man den scheinbaren Nachteil der Bühnendimensionen in einen Vorteil verwandeln kann. Das gilt auch für Christian Floerens Ausstattung, die mit prächtigen Glitter-Kostümen und zwei riesigen – in allen Nationalfarben glitzernden – Show-Treppen auch aus der Distanz wirkt.

FAZIT: Zum ersten Mal seit 1973 wurde wieder Paul Abraham, ein Komponist, der lange vergessen war, aber dessen Musik gerade wieder entdeckt wird, auf der Seebühne Mörbisch gespielt. Wegen ihrer Revueelemente passt diese Musik  bestens nach Mörbisch und Andreas Gergens Inszenierung gelingt es, Abrahams Revue-Ästhetik für die riesigen Dimensionen der Seebühne Mörbisch szenisch so zu nutzen, dass daraus ein Mehrwert entsteht.

Wir gratulieren!

Titelfoto vlnr.: Michael Heim als Stefan Koltay, Husarenrittmeister; Dagmar Schellenberger als Gräfin Victoria & Andreas Steppan als John Cunlight, US-Botschafter
Fotocredit: Seefestspiele Mörbisch


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