Beim Wirtschaftstalk am 27. April 2026 bei Schiefer Rechtsanwälte in Graz diskutierten Vertreter aus Industrie, Wirtschaft und Recht, wie die Wettbewerbsfähigkeit des Standorts Österreich gestärkt werden kann. Im Fokus standen das Vergaberecht als strategischer Hebel, die Bedeutung von Nachhaltigkeit sowie die Industriestrategie 2035 als zentraler Orientierungsrahmen für die zukünftige wirtschaftliche Entwicklung.
Die Industriestrategie 2035 soll Österreich langfristig unter die Top-10-Industrienationen führen. In der Diskussion wurde jedoch deutlich, dass weniger neue Strategien als vielmehr deren konsequente Umsetzung entscheidend ist.
Vergaberecht als strategischer Hebel
Martin Schiefer (Partner Schiefer Rechtsanwälte) betonte das Potenzial öffentlicher Beschaffung zur Förderung von Fortschritt, regionaler Wertschöpfung und zukunftsorientierten Lösungen.
„Wenn Vergaberecht so gelebt wird, dass nur der Billigste gewinnt, dann ist Vergaberecht sinnlos.“
Gefordert wurde ein klarer Fokus auf Bestbieterprinzipien, Lebenszyklusbetrachtungen sowie Kriterien für Resilienz und langfristige Wertschöpfung.
Industrie unter Druck – Chancen am Standort Österreich
Johannes Holas (KNAPP AG) zeigte die Perspektive eines global tätigen Unternehmens. Mit einem Exportanteil von rund 98 Prozent sei man stark von internationalen Entwicklungen abhängig, gleichzeitig steige der Druck durch Dynamik und Geschwindigkeit.
„Wir müssen sehr schnell reagieren und da ist natürlich die Geschwindigkeit in Österreich gefragt.“
Als zentrale Stärke nannte er Know-how und qualifizierte Fachkräfte, verwies jedoch auf Herausforderungen durch langsame Verfahren und zunehmenden Wettbewerb.
Kreislaufwirtschaft als Zukunftsmodell
Josef Scheidl (Brantner green solutions) betonte das Potenzial der Kreislaufwirtschaft, sieht jedoch Verbesserungsbedarf bei Ausschreibungen: „Öffentliche Ausschreibungen sind oftmals zu starr und können dadurch innovationshemmend wirken.“
Nachhaltige Lösungen würden oft nicht ausreichend berücksichtigt, obwohl technologische Entwicklungen bereits eine nahezu vollständige Rückgewinnung von Wertstoffen ermöglichen.
Vergaberecht als Hebel für Innovation: Maria Troger
Maria Troger (Partnerin Schiefer Rechtsanwälte) unterstrich, dass die notwendigen Instrumente im Vergaberecht vorhanden sind. Entscheidend sei deren konsequente Anwendung – insbesondere durch eine ganzheitliche Betrachtung entlang des Lebenszyklus.
Zentrale Herausforderungen aus der Praxis
- Ausschreibungen sind teilweise sehr spezifisch gestaltet und ermöglichen nicht immer einen offenen Wettbewerb.
- Es besteht hohe Dringlichkeit für schnellere Verfahren und klare Entscheidungen: „Es ist Zeit wirklich ins Tun zu kommen.“
- In Ausschreibungen dominiert weiterhin häufig der Preis, während Qualitäts- und Nachhaltigkeitskriterien zu wenig Gewicht haben.
Fazit
Die Diskussion zeigte klar: Die Herausforderungen sind bekannt – entscheidend ist die Umsetzung.
Das Vergaberecht kann ein wirksamer Hebel sein, um Wettbewerbsfähigkeit, Innovation und nachhaltige Entwicklung zu stärken. Voraussetzung dafür ist, bestehende Instrumente konsequent zu nutzen und Verfahren spürbar zu beschleunigen.







