„Österreichs Exportwirtschaft hat wiederholt bewiesen, dass sie auch schwierige Phasen meistert. Wenn wir die Standortbedingungen weiter verbessern, Europa stärken und internationale Chancen konsequent nutzen, bleibt Österreich ein Land der Exportchampions – mit Leitbetrieben als kraftvollem Motor unseres Wohlstands.“
Im Gastkommentar beschreibt Martha Schultz, Präsidentin der Wirtschaftskammer Österreich, die Stärke Österreichs als Exportnation – von Innovationskraft und Qualitätsstandards bis zur zentralen Rolle der Leitbetriebe. Sie betont die Bedeutung offener Märkte und verlässlicher Handelsabkommen für Wohlstand und Beschäftigung und zeigt auf, warum Europa als Heimmarkt und strategische Partnerschaften entscheidend für die Wettbewerbsfähigkeit bleiben. Gleichzeitig unterstreicht sie, welche Verbesserungen bei Standortbedingungen notwendig sind, damit Österreich auch künftig zu den Exportchampions zählt.
Österreichs Exportwirtschaft ist eine Erfolgsgeschichte – getragen von starken Leitbetrieben und unternehmerischem Mut. Damit sie auch im rauer werdenden internationalen Umfeld erfolgreich bleibt, können sich unsere Betriebe auf die Wirtschaftskammer Österreich und die AUSSENWIRTSCHAFT AUSTRIA mit ihrem globalen Netzwerk und Service verlassen.
Wer die Wirtschaftsnachrichten verfolgt, liest von Rückgängen, Unsicherheiten und Standortdebatten. Geopolitische Spannungen, Handelskonflikte, Zölle und eine schwächelnde Nachfrage in wichtigen Märkten wie Deutschland prägen das Bild. Die Herausforderungen sind real. Doch ebenso real ist die Stärke der heimischen Exportunternehmen: Mit Innovationskraft, Qualität und Unternehmergeist setzen sie weltweit Maßstäbe.
Österreichs Exportbetriebe stehen unter Druck, durch hohe Energie- und Lohnkosten ebenso wie durch intensiven internationalen Wettbewerb. Gleichzeitig verfügt der Standort über eine solide Basis: im EU- und OECD-Vergleich überdurchschnittliche Investitionen in Forschung und Entwicklung, eine attraktive Forschungsprämie, ein international anerkanntes duales Ausbildungssystem sowie eine strategisch günstige Lage im Herzen Europas. „Made in Austria“ ist nicht zufällig ein global geschätztes Gütesiegel.
Das macht Österreich zu einem Exportland par excellence: Die Exporte entsprechen mehr als 50 Prozent der österreichischen Wirtschaftsleistung. Mehr als 64.000 Unternehmen – überwiegend KMU – sind international aktiv. Sie leisten knapp 30 Milliarden Euro an Steuern und Abgaben, jeder vierte Steuer-Euro hängt direkt oder indirekt vom Export ab. Die Exportwirtschaft ist damit Rückgrat des heimischen Wohlstands.
Gerade Leitbetriebe übernehmen besondere Verantwortung. Sie investieren überdurchschnittlich in Innovation, Digitalisierung und Klimaschutz, sichern hochwertige Arbeitsplätze und stärken ganze Wertschöpfungsketten. Fast 200 „Hidden Champions“ – vielfach familiengeführte Mittelständler mit klarer Strategie und hoher Spezialisierung – sind in ihren Nischen Weltmarktführer.
Für Österreich als kleines, offenes Land ist die Europäische Union von zentraler Bedeutung. Der EU-Binnenmarkt ist unser wichtigster Heimmarkt und größter Trumpf. Umso wichtiger wäre ein vertiefter Binnenmarkt mit einheitlich angewendeten Regeln und weniger Bürokratie. Gleichzeitig braucht es eine aktive, selbstbewusste europäische Handelspolitik. In einer Welt zunehmender Handelskonflikte und geopolitischer Spannungen kann die Antwort nicht Abschottung heißen, sondern mehr regelbasierter Handel.
Gut verhandelte Freihandelsabkommen eröffnen Zugang zu Wachstumsmärkten, sichern strategisch wichtige Rohstoffe und schaffen Rechtssicherheit. Das gilt insbesondere für kleine und mittlere Unternehmen, die auf verlässliche Rahmenbedingungen angewiesen sind. Das Abkommen mit Mercosur eröffnet Europa und Österreich große wirtschaftliche Chancen und sollte daher rasch ratifiziert werden. Umso bedauerlicher ist es, dass dieses Abkommen in Österreich vielfach pauschal abgelehnt wird. Gerade für ein exportorientiertes Land wie unseres wäre es ein starkes Signal, hier differenziert zu diskutieren und die strategischen Vorteile klar zu benennen. Ebenso war der Abschluss der Verhandlungen mit Indien ein wichtiges Zeichen. Europa muss seine Partnerschaften mit dynamischen Wachstumsregionen konsequent ausbauen, wenn wir unsere Wettbewerbsfähigkeit langfristig sichern wollen. Mehr Tempo braucht es daher auch bei den Abkommen mit den Vereinigten Arabischen Emiraten (VAE), den Philippinen, Thailand, Malaysia und Australien.
Parallel dazu unterstützt die WKÖ heimische Betriebe ganz konkret bei der Erschließung neuer Chancen. Die AUSSENWIRTSCHAFT AUSTRIA steht mit rund 100 Stützpunkten weltweit als verlässliche Servicepartnerin zur Seite. Unsere Expertinnen und Experten analysieren Märkte, bewerten Risiken, identifizieren Geschäftsmöglichkeiten und begleiten Unternehmen vom Markteintritt bis zur Expansion. Im vergangenen Jahr führten unsere AußenwirtschaftsCenter rund 52.000 individuelle Beratungsgespräche in etwa 70 Ländern. Knapp 40.000 Unternehmerinnen und Unternehmer nutzten über 1.000 Informationsveranstaltungen. 2.500 Niederlassungen wurden 2025 vor Ort begleitet.
In Zeiten eines schwierigen Umfelds gilt es neue Chancen zu nutzen. Diese eröffnen sich derzeit vor allem in Südostasien, Indien, der Golfregion, Japan, Südamerika und im Westbalkan – bei weiterhin klarem Fokus auf unsere starken Kernmärkte in Europa und Nordamerika. Die AUSSENWIRTSCHAFT AUSTRIA agiert dabei als Türöffnerin, Sparringspartnerin und Brückenbauerin.
Österreichs Exportwirtschaft hat wiederholt bewiesen, dass sie auch schwierige Phasen meistert. Wenn wir die Standortbedingungen weiter verbessern, Europa stärken und internationale Chancen konsequent nutzen, bleibt Österreich ein Land der Exportchampions – mit Leitbetrieben als kraftvollem Motor unseres Wohlstands.






