Drott Medizintechnik entwickelt Handschuh für Schlaganfallpatienten zur Wiederbelebung der Sensomotorik

Deutsche Neurowissenschaftler und Biologen entwickelten 10 Jahre lang einen nunmehr patentierten Handschuh für Schlaganfallpatienten, der mit elektrischen Stimulationsfrequenzen gezielt Lernvorgänge im Gehirn auslöst, und so die gängigen Therapieformen um eine passive Variante nachweislich ergänzt.

Ein mit unsichtbaren Drähten durchwobener Handschuh sendet regelbare elektrische Stimulationsströme in die Fingerkuppen, um das Gehirn in gezielter Weise zu aktivieren. Die Nerven werden gereizt – das Gehirn lernt. Schließlich ist es ein wesentliches Ziel nach dem Schlaganfall, verlorene Sensomotorik wiederzubeleben. Oder zumindest zu verbessern. Am Institut für Neuro-Informatik in Bochum hat PD Dr. Hubert Dinse diesen Handschuh zusammen mit Prof. Dr. Martin Tegenthoff (Abteilung Neurologie, BG Kliniken Bergmannsheil) und Kollegen ergänzender Disziplinen aus einem Grundlagenforschungsthema herausgehoben. „Damals ging es darum, Lernprozesse des Gehirns zu erforschen. Als sich in Tests zeigte, dass die Elektrostimulation tatsächlich Neuroplastizität schafft, wollten wir den Schritt weiter gehen, um die Idee auch auf Patienten mit Beeinträchtigung zu übertragen.“ Zwischen den ersten Versuchen und dem Fingerspitzen stimulierenden tipstim-Handschuh liegt ein ganzes Jahrzehnt. In dieser Zeit gab es zahlreiche begleitende Untersuchungen und Studien am Stroke Center in Texas, dem Rehabilitationskrankenhaus in Meerbusch und eine relativ große randomisierte und placebokontrollierte Studie in Hagen-Ambrock. Auch Leitmedien wie die „Science“, „PNAS“ (Proceedings of the National Academy of Sciences) und die „Neuron“ berichteten längst über die Arbeiten und auch in den einer breiteren Öffentlichkeit zugänglichen, populärwissenschaftlichen Medien wurde in 2016 sehr viel über tipstim berichtet, so u.a. in der Zeitschrift P.M. und auch Ranga Yogeshwar beschäftigte sich in seinem populären TV-Format Quarks & Co. mit tipstim.

Besondere Stimulation
Tatsächlich gibt es bis heute kein vergleichbares Produkt auf dem Weltmarkt. Natürlich existieren funktionell-elektrische Stimulationsverfahren, die die Stimulation mit einer gerichteten Bewegung kombinieren. Neu ist aber die Art der Stimulation und damit die Stimulationsparameter selbst, ergänzt auch Prof. Dr. Joachim Liepert , ärztlicher Leiter für den Bereich Neurorehabilitation in den Kliniken Schmieder in Allensbach: „Ich halte diese Stimulationstechnik, sprich die Reizabfolge und den Nachweis, dass diese Stimulationsfrequenzen plastische Veränderungen im Gehirn bewirken und somit long-term potentiation-artige Prozesse hervorrufen, für potentiell effektiver und gewinnbringender als klassische elektrische Stimulationsverfahren.“

Therapieren beim Spazieren
tipstim wurde 2014 erstmals offiziell auf dem deutschen Neurologenkongress und beim Jahreskongress der deutschen Gesellschaft für neurologische Rehabilitation vorgestellt und zieht seitdem die Aufmerksamkeit auf sich. Dies ist unter anderem darauf zurückzuführen, dass die Stimulation mit tipstim passiv, schmerzfrei sowie ohne Nebenwirkungen abläuft und problemlos zu Hause und sogar beim Spazierengehen eingesetzt werden kann. 7 Tage die Woche. 60 Minuten am Tag. Das reicht.

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