Peter Umundum, Generaldirektor-Stellvertreter, Vorstand für Paket & Logistik, Österreichische Post AG © Österreichische Post AG

Österreichische Post – Peter Umundum: „Innovation entsteht dort, wo Technologie echten Mehrwert schafft“ (Interview)

Im Interview spricht Peter Umundum, Generaldirektor-Stellvertreter der Österreichischen Post, über die wichtigsten Innovationstreiber des Unternehmens, den Einsatz neuer Technologien sowie die Rahmenbedingungen, die Innovation fördern und eine erfolgreiche Weiterentwicklung ermöglichen.

Die Österreichische Post hat sich in den vergangenen Jahren vom klassischen Postunternehmen zu einem digitalen Logistik- und Dienstleistungskonzern entwickelt. Was sind derzeit die wichtigsten Innovationstreiber Ihres Unternehmens?
Unsere wichtigsten Innovationstreiber sind die Bedürfnisse unserer Kund*innen, das starke Paketwachstum, Digitalisierung und Automatisierung sowie die Transformation unserer Logistik in Richtung CO₂-freie Zustellung auf der letzten Meile bis 2030. Entscheidend ist für uns, Technologie dort einzusetzen, wo sie Prozesse verbessert und unsere Mitarbeiter*innen im Alltag konkret unterstützt. Das ist auch ein Schwerpunkt, den wir als international agierende Unternehmensgruppe in unseren Auslandstöchtern verankert haben und konsequent umsetzen.

Künstliche Intelligenz und Automatisierung verändern die Logistikbranche grundlegend. In welchen Bereichen setzt die Österreichische Post bereits heute KI erfolgreich ein – und wo sehen Sie das größte Potenzial für die Zukunft?
KI und Automatisierung helfen uns vor allem dort, wo große Datenmengen und komplexe Abläufe zusammenkommen, etwa in der Sortierung, Planung und Prozesssteuerung. Das größte Potenzial sehe ich in Anwendungen, die Qualität, Effizienz und Planbarkeit erhöhen, wie etwa bei selbstfahrenden Abholstationen, wie sie in China bereits erprobt werden. Autonome Fahrzeuge mit Abholfächern könnten gezielt in Wohn- oder Gewerbegebiete fahren, Empfänger*innen per App informieren und zeitlich flexibel Pakete bereitstellen

Mit LEAD 2030 investieren Sie stark in Digitalisierung und moderne Logistik. Welche Innovationsprojekte werden aus Ihrer Sicht in den nächsten drei bis fünf Jahren den größten Unterschied machen?
Besonders relevant werden Projekte, die Kund*innen und operative Effizienz verbinden: der weitere Ausbau unserer 24/7 Poststationen, zusätzliche Automatisierung in unseren Logistikzentren, digitale Services entlang des gesamten Sendungsprozesses sowie Tests im Bereich autonomes Fahren. Wir gehen dabei schrittweise vor: testen, lernen, skalieren – dort, wo es sinnvoll und verantwortbar ist. Mit unseren Beteiligungen wie in der Türkei oder Bulgarien können wir auch schnell Prototypen und Use Cases testen und dann konzernweit ausrollen.

Nachhaltigkeit ist eng mit Innovation verbunden. Welche technologischen Entwicklungen bringen Sie Ihrem Ziel einer emissionsfreien Logistik am nächsten?
Unsere zentralen Hebel sind der weitere Ausbau der E-Mobilität, schon heute haben wir mit über 6.000 E-Fahrzeugen die größte E-Flotte des Landes. Dazu kommen Photovoltaik-Anlagen, Speicherlösungen und neue Ansätze wie Vehicle-to-Grid. Damit kommen wir unserem Ziel näher, die Zustellung in Österreich auf der letzten Meile bis 2030 CO₂-frei zu gestalten. In weiterer Folge fokussieren wir uns auf Net Zero, indem wir etwa auch die Transportlogistik, also unsere LKW, konsequent auf CO2-freie Antriebe umstellen. Wir betreiben unsere ersten E-LKW schon sehr erfolgreich in ganz Österreich.

Die Österreichische Post baut ihr Leistungsportfolio kontinuierlich aus – von digitalen Services bis zu bank99. Wie entstehen neue Geschäftsmodelle, und woran erkennen Sie deren Zukunftspotenzial?
Neue Geschäftsmodelle entstehen aus unserer Rolle als Grundversorgerin heraus: Wir verfügen über ein dichtes Netz, hohes Vertrauen und tägliche Kund*innenkontakte. Angebote wie die Finanzdienstleistungen der bank99 oder unser Mobilfunk-Paket YELLLOW zeigen, wie daraus neue, erfolgreiche Services entstehen können. Auch internationale Beispiele wie die italienische Post zeigen, dass Postgesellschaften erfolgreich zusätzliche Dienstleistungen übernehmen können – auch für den Staat.

Innovation braucht die richtigen Menschen und eine entsprechende Unternehmenskultur. Wie schaffen Sie es, Innovation im gesamten Unternehmen zu fördern und Mitarbeitende aktiv einzubinden?
Innovation entsteht nicht nur in Strategieabteilungen, sondern sehr oft im täglichen Betrieb. Deshalb ist es wichtig, Mitarbeiter*innen früh einzubinden, Erfahrungen aus der Praxis ernst zu nehmen und neue Lösungen gemeinsam zu testen. Gerade in der Logistik zeigt sich schnell, ob eine Idee funktioniert. Aktuellen testen wir etwa mit der FH Oberösterreich und Intersport „Kreislauf-Retouren“, bei denen Retouren ressourcenschonend direkt an die nächsten Käufer*innen weitergeleitet werden und nicht an den Online-Shop zurückgeschickt werden. Unser Anspruch ist es, Technologie verständlich, nützlich und praxistauglich zu machen.

Welche Rahmenbedingungen braucht der Wirtschaftsstandort Österreich, damit Unternehmen Innovationen schneller entwickeln und erfolgreich skalieren können?
Wir brauchen Rahmenbedingungen, die Innovation erleichtern: schnellere Verfahren, klare rechtliche Grundlagen für neue Technologien, leistungsfähige digitale Infrastruktur und eine starke Ausbildung, vor allem in technischen Berufen. Für Unternehmen ist es wichtig, Neues sicher testen und bei Erfolg rasch skalieren zu können, ohne unnötige Komplexität, aber mit klaren Spielregeln. Ich finde, wir sollten uns mehr zutrauen.

Wenn Sie einen Blick in das Jahr 2030 werfen: Wofür wird die Österreichische Post dann stehen – und welche Entwicklung wird viele Menschen heute noch überraschen?
Die Post wird weiterhin für Verlässlichkeit stehen, aber mit deutlich mehr digitalen, automatisierten und CO₂-freien Lösungen auf der letzten Meile. Viele werden vielleicht überrascht sein, wie stark sich klassische Logistik und Technologie verbinden: von 24/7 Services bis zu neuen Formen der Zustellung. Der Kern bleibt aber derselbe: Wir verbinden Menschen und Unternehmen, und das nicht nur in Österreich, sondern weit und erfolgreich über unsere Landesgrenzen hinaus.

Was bedeutet die Auszeichnung als Leitbetrieb für die Österreichische Post? Welche Vorteile hat es, ein Vorbildunternehmen zu sein?
Diese Auszeichnung ist für uns Anerkennung und Auftrag zugleich. Als Österreichische Post tragen wir Verantwortung für eine Infrastruktur, die täglich Millionen Menschen und Unternehmen nutzen. Vorbildunternehmen zu sein bedeutet daher auch, sich konsequent weiterzuentwickeln, verlässlich zu handeln und Innovation mit Verantwortung zu verbinden.

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