Geschäftsführer des Handelsverbandes Rainer Will ©Selina Palla /Handelsverband

Handelsverband: Standort Österreich braucht fairen Wettbewerb – auch im digitalen Handel

Österreich ist ein starker Wirtschaftsstandort. Unsere Regeln mögen im Alltag manchmal überbordend wirken – und die Wirtschaft kritisiert sie teilweise zurecht. Gleichzeitig sorgen sie für hohe Standards, stabile Rahmenbedingungen und Vertrauen im Markt.

Dieses System gerät dort unter Druck, wo sich nicht alle an dieselben Spielregeln halten. Genau das erleben wir im internationalen Onlinehandel. Während heimische Betriebe sämtliche Vorschriften erfüllen – von Steuer- und Abgabenpflichten bis hin zu Produktsicherheit und Umweltstandards – wächst der grenzüberschreitende E-Commerce rasant, insbesondere durch Drittstaatenplattformen.

Die Dimension ist beachtlich: Laut Rechnungshof wurden 2024 bereits Waren im Wert von 8 Mrd. Euro im grenzüberschreitenden E-CommerceinÖsterreich importiert.Österreich ist damit EU-weit die Nummer 1 bei den Pro-Kopf-Ausgaben im grenzüberschreitenden Onlinehandel.Allein die Importe aus Drittstaaten unter 150 Euro wuchsen binnen eines Jahres um über 70 %. Stichproben zeigen, dass ein erheblicher Teil dieser Waren nicht den EU-Produktstandards entspricht – ein Risiko für Konsument:innen und eine klare Wettbewerbsverzerrung.

Ein Level Playing Field als Standortfrage
Der Handel ist ein zentraler Arbeitgeber, Ausbildner und Wertschöpfungsträger in Österreich. Ein funktionierender Handel stabilisiert ganze Regionen – vom Ortskern bis zur Innenstadt. Gerade deshalb ist es problematisch, wenn internationale Plattformen mit Geschäftsmodellen wachsen, die nicht auf besserer Leistung beruhen, sondern auf dem Umgehen oder Unterlaufen europäischer Standards.

Der Handelsverband steht für Innovation, für moderne Geschäftsmodelle und für fairen Wettbewerb. Ein Binnenmarkt funktioniert nur dann, wenn Regeln auch im digitalen Massengeschäft konsequent gelten.

Die EU hat mit neuen Zollregelungen wichtige Schritte angekündigt, auch die österreichische Politik plant eine Paketgebühr. Doch damit wird es nicht getan sein. Wie die jüngsten Produkttests zeigen, müssen die Fernost-Plattformen noch stärker in die Verantwortung genommen werden, damit die Waren, die in die EU gelangen, allen Zoll-, Steuer- und Sicherheitsbestimmungen entsprechen. Aus Sicht des Handelsverbands sind insbesondere folgende Punkte entscheidend:

  • Vollständige EU-weite Abschaffung der Zollfreigrenze von 150 Euro
  • Verursachergerechte Abwicklung der nationalen Paketabgabe direkt über die jeweiligen Plattformen, nicht über heimische Zusteller und KEP-Dienstleister
  • Plattformhaftung für korrekte Warendeklaration und Einhaltung von EU-Standards
  • Stärkung von Zoll, Marktaufsicht und Vollzug
  • Wirksame Sanktionen bei systematischem Rechtsbruch bis zur Sperre der Plattformen

Fairness ist die Basis für Wachstum
Diese Maßnahmen sind keine Abschottung, sondern Standortpolitik im besten Sinn:
Sie schützen Konsument:innen, sichern faire Marktbedingungen und stärken Unternehmen, die investieren, ausbilden und Verantwortung übernehmen. Denn wenn Regelkonformität zum Nachteil wird, dann verliert ein gesamter Wirtschaftsstandort an Substanz.

Der internationale Onlinehandel bietet Chancen – auch für den Standort Österreich. Voraussetzung ist jedoch, dass Wachstum auf fairen Grundlagen stattfindet. Gleiche Regeln für alle Marktteilnehmer sind die Basis für nachhaltige Wettbewerbsfähigkeit, Investitionen und Arbeitsplätze.

Autor: Rainer Will, Geschäftsführer Handelsverband

Wer mehr zum Thema wissen will, findet unter diesem Link das neue eCommerce-Dossier des Handelsverbands samt dem Aktionsplan für ein Level Playing Field im E-Commerce:

https://www.handelsverband.at/fileadmin/content/Presse_Publikationen/Presseaussendungen/2026/01_Jan/2026-02_HV-eCommerce-Dossier.pdf

Hier finden Sie die Übersicht „Fair Play im Onlinehandel?“ mit einem Vergleich von Österreichischen Händlern mit Fernost-Plattformen:

https://www.handelsverband.at/fileadmin/content/Presse_Publikationen/Presseaussendungen/2026/01_Jan/FairPlay_Online_Tabelle_2026.pdf

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