Nachbericht Online-Fokus-Gespräch: „Stillstand Österreich?“

Kosten, Produktivität und Zukunftsinvestitionen im Fokus

Österreich zählt zu den teuersten Ländern Europas, wenn es um Arbeit geht – gleichzeitig verliert der Standort an Produktivitätsdynamik. Beim Online-Fokus-Gespräch am 25.02.2026 wurden Zahlen der TPA-Lohnkostenstudie 2024 sowie Perspektiven aus Industrie, Agrarwirtschaft und Dienstleistungssektor diskutiert.

Monica Rintersbacher, Geschäftsführerin Leitbetriebe Austria, betonte zur Eröffnung: „Kosten steigen – umso wichtiger ist es, einen Fokus auf Produktivität zu legen und gezielt in die Zukunft zu investieren“.

Arbeit ist strukturell teuer
Die TPA-Lohnkostenstudie 2024 zeigt: Mit EUR 44,50 pro Arbeitsstunde liegt Österreich deutlich über dem EU-Durchschnitt von EUR 33,50. Auch im CEE-Vergleich führt Österreich bei den Gesamtarbeitskosten – von der Geschäftsführung bis zum Arbeiter.  „Wir brauchen dringend eine strukturelle Entlastung, um die Produktivität in Österreich zu stärken“, so Veronika Seitweger. Es geht nicht um eine Sozialdebatte über „zu hohe Löhne“, sondern hier sind Unternehmen gefordert, Komplexität zu reduzieren und den Produktivitätshebel zu erhöhen.

Fachlicher Input von Mag. Veronika Seitweger, Partnerin TPA.

Wettbewerbsvorteil durch Qualität
Wie kann ein Produktionsstandort mit hohen Lohnkosten international bestehen?

Im Best-Practice-Beispiel von Martin Pfaffeneder-Kmen, Timac Agro Österreich, sagt er dazu: „Wir müssen den Spagat machen zwischen hohen Lohnkosten und Produktivität.“ Der Weg dahin führt über Qualität und Effizienz. Laut Pfaffeneder-Kmen werden Produkte aus Österreich international als qualitativ hochwertig wahrgenommen – dieser Anspruch müsse vorrangig gehalten werden. Höhere Preise seien aber nur dann durchsetzbar, wenn sie durch Mehrwert getragen werden. Im Agrarbereich bedeutet das effizienteren Ressourceneinsatz und bessere Wirkung – auch unter schwierigeren Bedingungen.

Fachlicher Input von Dr. Martin Pfaffeneder-Kmen, COO Alpine & Central Europe, Timac Agro Österreich.

Technologische Spezifizierung als Strategie
Dieter Thumfart, Electrovac, setzt in seinem Betrieb auf strategische Spezialisierung: „Wir haben schon vor 10–15 Jahren gesagt: Wir müssen die komplexesten Technologien herstellen – das Produkt muss somit die Lohnkosten wirtschaftlich ermöglichen.“ Steigende Lohnkosten seien in dieser Branche auf jeden Fall Realität. Entscheidend dabei sind jedoch Automatisierung, Prozessoptimierung im Daily Business und stetige technologische Weiterentwicklung. Komplexe, schwer kopierbare Produkte schaffen Preisspielraum. Electrovac konnte in den letzten Jahren durch diese Strategien Wachstum erzielen – trotz regulatorischer und globaler Herausforderungen.

Fachlicher Input von DI Dieter Thumfart, Managing Director, Electrovac Austria GmbH.

Dienstleistungssektor stabiler – Bürokratie bremst
Andreas Ridder, CBRE, sieht hier Unterschiede zwischen den Branchen. Während der Dienstleistungssektor stabil bleibt, ist die Nachfrage nach Produktionsflächen zuletzt massiv zurückgegangen. Unterschiedliche Bauordnungen in den Bundesländern und komplexe Genehmigungsverfahren erhöhen dazu die Hürden erheblich. Entbürokratisierung gilt dadurch als ein zentraler Entlastungsfaktor. Verzögerungen in Verfahren können die wirtschaftliche Dynamik spürbar bremsen.

Fachlicher Input von Dr. Andreas Ridder, Senior Advisor to the Board, CBRE GmbH.

Nachhaltigkeit muss wirtschaftlich sein
Ein weiterer wichtiger Punkt in dieser Debatte ist, wie Nachhaltigkeit aktuell zunehmend unter wirtschaftlichen Gesichtspunkten bewertet wird. ESG-Themen alleine haben in der Wirtschaft an Priorität verloren. Investitionen erfolgen also nur dort, wo sie ökonomisch sinnvoll sind. „Ökologische Nachhaltigkeit muss für Unternehmen ökonomisch attraktiv sein, um sich durchzusetzen“, so Mag. Ulrike Rabmer-Koller, Geschäftsführende Gesellschafterin Rabmer Gruppe.

Fazit
Die Diskussion machte deutlich: Branchen entwickeln sich unterschiedlich. Dienstleister zeigen sich stabiler, während Immobilien- und Produktionsbetriebe stärker von Kostensteigerungen und regulatorischen Rahmenbedingungen betroffen sind. Die TPA-Studie zeigt dazu klar: Leitbetriebe sind gefordert, wirtschaftlichen Stillstand nicht zu verwalten, sondern zu durchbrechen – durch Produktivitätssteigerung, Innovation & Investition, Qualität und Entbürokratisierung.

Zum Abschluss fasste Veronika Seitweger zusammen: „Wir sind hoffnungsvoll – aber es braucht harte Arbeit und einen guten Geist.“

teilen