Nachbericht zum Online-Fokus-Gespräch „Nachhaltigkeit betriebswirtschaftlich denken“

Beim Online-Fokus-Gespräch von Leitbetriebe Austria am 21. April 2026 stand die zentrale Frage im Mittelpunkt, wie Nachhaltigkeit stärker in die betriebswirtschaftliche Logik von Unternehmen integriert werden kann. Aktuelle Entwicklungen zeigen, dass das Thema in vielen Unternehmen derzeit an Priorität verloren hat – gleichzeitig bleibt seine strategische Bedeutung für zukunftsfähige Geschäftsmodelle unbestritten.

Vom Reporting zur Steuerung
Im Zentrum des Fachinputs von Günther Reifer, Geschäftsführer des Terra Instituts und Leiter der Leitbetriebe Austria-UNIT Nachhaltigkeit, stand ein klarer Perspektivenwechsel: Nachhaltigkeit müsse weg von isolierter Berichterstattung hin zu einem integralen Bestandteil der Unternehmenssteuerung entwickelt werden.

Trotz wachsender Herausforderungen wie Klimawandel, Ressourcenverbrauch und globaler Entwicklungen sei der Handlungsdruck unverändert hoch. Entscheidend sei nun, Nachhaltigkeit gezielt in das Geschäftsmodell zu integrieren und mit betriebswirtschaftlichen Kennzahlen zu verknüpfen.

Im Fokus stehen dabei:

  • die Verknüpfung mit OPEX, CAPEX und Cashflow
  • die Integration in Controlling- und Managementprozesse
  • die Ableitung klarer KPIs
  • sowie die Verankerung im Kerngeschäft und in der Produktstrategie

Wirtschaftlicher Mehrwert im Fokus
Ein zentraler Ansatz liegt in der Verbindung von Nachhaltigkeit mit Markt- und Kundenanforderungen. Unternehmen sollten sich gezielt fragen, welchen konkreten Mehrwert nachhaltige Maßnahmen schaffen.

Praxisbeispiele zeigen, dass sich Nachhaltigkeit auch monetarisieren lässt: So sind Kunden im Tourismus bereit, für glaubwürdig umgesetzte Konzepte rund 5–7 % höhere Preise zu akzeptieren.

Neben Marktpotenzialen ergeben sich auch finanzielle Vorteile – etwa durch bessere Finanzierungskonditionen, Förderungen sowie Effizienzgewinne bei Energie, Material und Personal.

Regulatorik und neue Anforderungen
Trotz reduzierter Berichtspflichten bleibt der regulatorische Rahmen ein wichtiger Treiber. Besonders im Bereich der Kommunikation steigen die Anforderungen: Nachhaltigkeitsclaims müssen künftig klar belegbar sein, pauschale Aussagen werden zunehmend eingeschränkt.

Das erhöht den Druck auf transparente und glaubwürdige Umsetzung.

Zwischen Kostenfaktor und Wettbewerbsvorteil
In der Diskussion wurde deutlich, dass Nachhaltigkeit aktuell oft noch als Kostenfaktor wahrgenommen wird. Gleichzeitig wächst die Bedeutung von Themen wie Kreislaufwirtschaft, nachhaltigem Produktdesign und Ressourceneffizienz.

Ergänzend wurde betont, dass nachhaltige Transformation neben Strategie auch ein entsprechendes Mindset erfordert. Die Verbindung von SDGs und IDGs zeigt, dass Werte, Kultur und Führung eine zentrale Rolle für die Umsetzung spielen.

Fazit
Nachhaltigkeit wird dann wirksam, wenn sie konsequent ins Geschäftsmodell integriert wird. Die Verbindung von ökologischen und sozialen Aspekten mit betriebswirtschaftlichen Steuerungslogiken ist der entscheidende Hebel für langfristigen Unternehmenserfolg.

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