GÜNTHER REITER, Automotive Leader bei PwC Österreich / Copyright: PwC Österreich

Österreichische Neuzulassungen von BEVs innerhalb eines Jahres mehr als verdoppelt

  • E-Antriebe der Wahl in Österreich sind in im vierten Quartal 2021 BEVs (18,5%) und Hybride (18,3%)
  • 37,5% der Neuzulassungen im Jahr 2021 in Österreich waren Elektroautos
  • Chinas BEV-Markt wächst im vergangenen Jahr mit 172% weltweit am stärksten

Die weltweiten Neuzulassungen von reinelektrischen Fahrzeugen (Battery Electric Vehicle, BEV) haben sich von 2 Millionen im Jahr 2020 auf 4,5 Millionen 2021 mehr als verdoppelt. Die Branche konnte das letzte Quartal 2021 mit einem starken Wachstum abschließen, auch wenn es sich durch die anhaltende Halbleiterkrise vergleichsweise verlangsamt hat. So stieg die Anzahl der BEV-Neuzulassungen in den untersuchten EU-Märkten im vierten Quartal 2021 um 25,4% im Vergleich zum entsprechenden Vorjahresquartal. Der Anstieg für 2021 betrug 62,6% im Vergleich zu 2020, in Österreich sogar 108,9%. Das zeigen die Ergebnisse des aktuellen „Electric Vehicle Sales Review“ von PwC Autofacts® und Strategy&, der Strategieberatung von PwC, in der die Neuzulassungszahlen in weltweit 14 ausgewählten Märkten ausgewertet werden. E-Mobility-Primus China prescht weiterhin mit einem BEV-Wachstum von 172,3% im Vergleich zu 2020 voran. Der BEV-Markt in den Vereinigten Staaten, bisher ein schlafender Riese, zeigt vielversprechende Anzeichen von Wachstum. Dank einiger beliebter Modelle stiegen die BEV-Verkäufe hier im Vergleich zum Vorjahr um 62%.

„Immer mehr Automobilhersteller sehen in reinelektrischen Fahrzeugen die Zukunft. Doch europäische OEMs und Zulieferer profitieren nur bedingt vom BEV-Rekordmarkt: Lediglich jedes dritte 2021 in China, Europa oder den USA verkaufte reinelektrische Fahrzeug trägt eine europäische Marke. In wichtigen Märkten wie China geht es für europäische Hersteller jetzt darum, an den Erfolg von Verbrennermotoren anzuknüpfen und Marktanteile zu behaupten sowie gegebenenfalls auszubauen. Das kann nur durch eine ausreichende Produktverfügbarkeit gelingen. Muss man verlorene Marktanteile später zurückerobern, stellt dies eine kostenintensive und herausfordernde Aufgabe für Automobilhersteller dar“, kommentiert Günther Reiter, Automotive Leader bei PwC Österreich.

Subventionskürzungen könnten E-Transformation verlangsamen
Weltweit gibt es Pläne, die Subventionen von Elektrofahrzeugen zu reduzieren. So hat die chinesische Regierung angekündigt, die Förderung von Elektrofahrzeugen in diesem Jahr um 30% zu kürzen. Großbritannien hat bereits zum zweiten Mal die Zuschüsse für Elektrofahrzeuge gekürzt, und im Schweizer Kanton Wallis wurde die Förderung für Hybridfahrzeuge bereits vollständig eingestellt. Die neue Bundesregierung hat zwar die derzeitige Förderung um ein Jahr verlängert, plant aber, die Anforderungen danach zu verschärfen. Frankreich hat die derzeitigen Anreizprogramme ebenfalls verlängert, allerdings nur bis Juli 2022. Der „Build Back Better“-Gesetzentwurf von US-Präsident Biden, der eine Steuergutschrift für E-Fahrzeuge in Höhe von 12.500 US-Dollar vorsieht, hat bisher noch keine Mehrheit im Kongress gefunden. Die großzügigen Firmenwagenregelungen in Österreich bestehen hingegen weiterhin und führen dazu, dass E-Neuzulassungen vor allem im gewerblichen Bereich ansteigen, während es auf Privatkundenseite noch eine spürbare Zurückhaltung gibt.

„Trotz der zunehmenden Attraktivität des Produktangebots bei E-Autos hängt die Geschwindigkeit des Übergangs hin zu Elektromobilität in Österreich weiterhin stark vom Umfang und der mittelfristigen Planbarkeit der Förderungen ab. 2022 wird einen weiteren massiven Schub bei der Elektromobilität bringen, Parität bei den Neuanmeldungen zwischen Verbrennern und Stecker-Autos (BEV und PHEVs) wird hierzulande aber erst in den Folgejahren erreicht werden. Für die zahlreichen Automotive-Zulieferbetriebe in Österreich gilt: Diejenigen, die bereits ein entsprechendes Angebot für die OEMs im Bereich Elektromobilität haben, stehen vielfach vor der Frage nach der ‚richtigen‘ Wachstumsgeschwindigkeit und diejenigen, deren Produktionsportfolio noch nicht zukunftsfit ist, haben dringenden Handlungsbedarf, ihre Nische für die Zukunft zu finden“, ergänzt Dr. Johannes Schneider, Partner bei Strategy& Österreich.

Vollhybrid hierzulande beliebtester E-Antrieb
Die Verteilung der verschiedenen Elektroantriebe ist von Region zu Region immer noch sehr unterschiedlich. In Österreich dominiert immer noch der Vollhybrid mit 17,5% Marktanteil (Gesamtjahr 2021), doch der Aufsteiger-Antrieb BEV holt immer weiter auf (13,9%) und hat seinen Anteil im Vergleich zum Vorjahr mehr als verdoppelt (6,4%). Der Plug-in-Hybrid hatte im Jahr 2021 einen Marktanteil von 6,1%. In Summe stehen aktuell 37,5% neuzugelassene Elektrofahrzeuge 62,5% Verbrennern gegenüber. Im Jahr 2020 lag das Verhältnis bei 20% (EV) zu 80% (ICE).

Neuzulassungen von E-Fahrzeugen in Österreich

 Neuzulassungen Q4/2021Zuwachsrate Q4/2021 vs. Q4/2020Marktanteil Neuzulassungen Q1-Q4/2021Zuwachsrate Q1-Q4/2021 vs. Q1-Q4/2020
BEV9.23231,3%13,9%108,9%
PHEV3.2862,3%6,1%91,4%
Hybride9.144-1,6%17,5%61,3%
Gesamt21.66210,9%37,5%81,2%
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