vlnr. vorne: Karl Pronhagl, Regina Mittermayer-Knopf, BM Klaudia Tanner, Monica Rintersbacher, Stephanie Pracherstorfer, Georg Hoffmann; vlnr. hinten: Christoph Göd, Christian Prinz, Thomas Rathammer, Wolfgang Schweighofer; Fotocredit: HBF/Carina Karlovits

Befehl oder Eigenverantwortung? – Wirtschaft trifft Militär

Bundesheer und Leitbetriebe Austria bringen unterschiedliche Führungswelten zusammen

Was können Wirtschaft und Militär voneinander lernen, wenn es um wirksame Führung geht? Dieser Frage widmeten sich das Bundesministerium für Landesverteidigung und Leitbetriebe Austria bei „Wirtschaft trifft Militär – Leadership zwischen Ordnung, Entscheidungen und Flexibilität“ im Heeresgeschichtlichen Museum in Wien. Die Veranstaltung fand im Rahmen der Leitbetriebe Austria-Initiative „Neue Welt der Arbeit“ statt. Zentrale Themen waren unterschiedliche Zugänge zu Leadership, Verantwortung und Zielerreichung – von klaren Führungsstrukturen über Eigenverantwortung bis zum Einfluss Künstlicher Intelligenz auf Entscheidungsprozesse.

Bundesministerin Klaudia Tanner stellte in ihrem Impuls die Verbindung zwischen militärischer und unternehmerischer Praxis in den Mittelpunkt. Beide Bereiche seien mit hohen Anforderungen, begrenzten Ressourcen und Situationen konfrontiert, in denen unter Zeitdruck gehandelt werden müsse. Eine besondere Bedeutung komme dabei der Resilienz zu: der Fähigkeit, sich rasch auf neue Situationen einzustellen, Verantwortung zu übernehmen und auch dann handlungsfähig zu bleiben, wenn nicht alles planbar ist.

„Militärisches Wissen zivil nutzbar zu machen heißt nicht, Grenzen zu verwischen, sondern Kompetenzen zu teilen“, betonte Tanner. Der Austausch zwischen Wirtschaft und Bundesheer biete die Möglichkeit, voneinander zu lernen und Erfahrungen etwa in den Bereichen Führung, Ausbildung, Personalentwicklung, Logistik und Organisation weiterzugeben.

Auch Monica Rintersbacher, Geschäftsführerin von Leitbetriebe Austria, sieht angesichts einer sich wandelnden Arbeitswelt neue Anforderungen an Unternehmen und ihre Führungskräfte: „Gute Führung muss heute Orientierung geben, ohne Eigenverantwortung einzuschränken. Gerade in Zeiten rascher Veränderungen brauchen Unternehmen Menschen, die Entscheidungen treffen können und wollen. Entscheidend ist, dafür Klarheit, Vertrauen und die richtigen Rahmenbedingungen zu schaffen.“

Zwei Führungswelten im Dialog
In der Podiumsdiskussion trafen Perspektiven aus Wirtschaft und Militär aufeinander. Im Fokus standen zeitgemäße Leadership-Ansätze, das Verhältnis von Hierarchie und Eigenverantwortung, eine offene Fehler- und Feedbackkultur sowie der Einfluss von Künstlicher Intelligenz auf die Führung.

  • Thomas Rathammer, Geschäftsführer Softcom Consulting GmbH, fokussierte sich sowohl auf Authentizität als auch auf Transparenz und thematisierte KI als Unterstützung für menschliche Entscheidungen.
  • Regina Mittermayer-Knopf, Geschäftsführerin LOOMIS ÖSTERREICH GmbH, zeigte auf, wie wichtig Eigenverantwortung und Vertrauen gerade in sicherheitskritischen Situationen sind.
  • Christian Prinz, Geschäftsführer HOERBIGER Wien GmbH, thematisierte Führung auf Augenhöhe sowie eine Feedbackkultur, die Fehler als Chance zur Weiterentwicklung versteht.
  • Generalmajor i.R. Karl Pronhagl, ehem. Kommandant der Theresianischen Militärakademie, beleuchtete das Zusammenspiel von bewährten Führungsprinzipien, moderner Führung und lebenslangem Lernen.
  • Generalmajor Wolfgang Schweighofer, Direktor Direktion 6 – IKT und Cyber, BMLV, betonte, dass KI die Führung verändert, die Letztverantwortung jedoch beim Menschen bleiben muss.
  • Oberstleutnant d.G. Christoph Göd, Kommandant des aktuellen Masterstudiums zur Generalstabsausbildung, beleuchtete den Entscheidungsspielraum trotz klarer Befehlsketten sowie die Bedeutung einer konsequenten Fehler- und Feedbackkultur.

Die Diskussion zeigte, dass sich Militär und Wirtschaft in ihren Strukturen deutlich unterscheiden, zugleich aber voneinander profitieren können. Während das Bundesheer Führung systematisch trainiert und klare Entscheidungswege etabliert, bringt die Wirtschaft neue Formen der Zusammenarbeit, flachere Hierarchien und stärker selbstorganisierte Teams ein. Der gemeinsame Nenner: Orientierung geben, Menschen zu eigenständigem Handeln befähigen und auch unter schwierigen Bedingungen Verantwortung übernehmen.

Über das Österreichische Bundesheer
Das Bundesheer ist nach den Grundsätzen eines Milizsystems eingerichtet. Die Miliz verbindet zivile Berufserfahrung mit militärischer Kompetenz. Milizangehörige profitieren von praxisnaher Führungsausbildung, wertvollen Netzwerken und Fähigkeiten wie Teamführung, Krisenmanagement und Entscheidungsstärke. Für Unternehmen bedeutet das engagierte, belastbare und verantwortungsbewusste Mitarbeitende. Das Bundesheer bildet zudem Lehrlinge in zahlreichen Berufsfeldern aus und bietet jungen Menschen eine sichere Perspektive.
Partnerschaften mit der Wirtschaft schaffen Mehrwert für beide Seiten: Unternehmen stärken ihre Rolle als verantwortungsvolle Arbeitgeber, gewinnen qualifizierte Fachkräfte und leisten einen sichtbaren Beitrag zur Sicherheit Österreichs. www.bundesheer.at

Über die Initiative „Neue Welt der Arbeit“
Die Initiative „Neue Welt der Arbeit“ von Leitbetriebe Austria fördert den Dialog zwischen Arbeitgebenden und Arbeitnehmenden mit dem Ziel, gegenseitiges Verständnis zu stärken und zu einem positiven Arbeitsklima sowie höherer Produktivität in Österreich beizutragen. Entstanden aus dem intensiven Austausch mit Leitbetrieben und Stakeholdern sowie fundierten Bedarfsanalysen, greift die Initiative zentrale Herausforderungen der Arbeitswelt auf – vom Arbeitskräftemangel über veränderte Erwartungen und Motivation bis hin zu neuen Anforderungen an Führung und Zusammenarbeit.

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