BM Peter Hanke © David Visnjic

Bundesminister Peter Hanke: „Neue Technologien sind der Schlüssel für mehr Produktivität und Wettbewerbsfähigkeit.“ (Interview)

Im Interview spricht Bundesminister Peter Hanke (Bundesminister für Innovation, Mobilität und Infrastruktur) darüber, wie Österreich seine Innovationskraft gezielt stärken und Forschung schneller in wirtschaftlichen Erfolg überführen kann. Dabei gibt er Einblicke in die Bedeutung von Schlüsseltechnologien, die Unterstützung innovativer Unternehmen und die strategische Ausrichtung des Innovationsstandorts Österreich.

Österreich verfügt über starke Forschungseinrichtungen und innovative Unternehmen. Dennoch dauert der Weg von der Entwicklung bis zur Anwendung häufig zu lange. Wie wollen Sie gemeinsam mit Wirtschaft und Forschung dafür sorgen, dass Innovationen schneller den Weg in die praktische und wirtschaftliche Anwendung finden?
Österreich verfügt über exzellente Forschung und innovative Unternehmen. Entscheidend ist jetzt, dass neue Erkenntnisse schneller ihren Weg in marktfähige Produkte und Dienstleistungen finden. Deshalb bauen wir gezielt Brücken zwischen Wissenschaft und Wirtschaft. Wir fördern Pilotanlagen, stärken den Patentschutz und erleichtern innovativen Unternehmen den Zugang zu Finanzierung – auch mit unserem Aktionsplan für öffentliche strategische Beschaffungen, den wir im Herbst vorlegen werden. So verkürzen wir den Weg von der Idee bis zur wirtschaftlichen Anwendung. Gleichzeitig evaluieren wir unsere Maßnahmen regelmäßig, damit wir dort nachschärfen können, wo noch Hürden bestehen. Unser Ziel ist klar: Spitzenforschung soll noch stärker in Österreich Wertschöpfung schaffen und hochwertige Arbeitsplätze sichern.

Wie können neue Technologien dazu beitragen, die Produktivität heimischer Unternehmen zu steigern und damit die Wettbewerbsfähigkeit des Wirtschaftsstandorts Österreich langfristig zu stärken?
Neue Technologien sind der Schlüssel für mehr Produktivität und Wettbewerbsfähigkeit. Künstliche Intelligenz, Automatisierung und digitale Anwendungen ermöglichen effizientere Prozesse, bessere Produkte und schnellere Innovationen. Gerade für unsere exportorientierten Unternehmen ist das ein entscheidender Wettbewerbsvorteil. Deshalb investieren wir in moderne Forschungs- und Recheninfrastruktur und schaffen Rahmenbedingungen, damit insbesondere kleine und mittlere Unternehmen Zukunftstechnologien rasch einsetzen können. Wer Innovation erfolgreich in die Produktion bringt, stärkt nicht nur das eigene Unternehmen, sondern den gesamten Wirtschaftsstandort Österreich. So sichern wir Wachstum, Wertschöpfung und hochwertige Arbeitsplätze auch in Zukunft.

Europa steht bei Schlüsseltechnologien wie künstlicher Intelligenz im Wettbewerb mit den USA und China und will zugleich seine technologische Souveränität stärken. Welche Chancen ergeben sich daraus für österreichische Unternehmen – und wie kann die Politik sie dabei gezielt unterstützen?
Europa muss seine eigenen Stärken selbstbewusst ausspielen. Kein europäischer Staat wird allein mit den großen Technologiekonzernen konkurrieren können. Deshalb brauchen wir mehr Zusammenarbeit bei Forschung und Entwicklung, sowie Standards von Zukunftstechnologien. Österreich bringt sich hier aktiv ein – etwa mit der AI Factory Austria. Das eröffnet österreichischen Unternehmen Zugang zu modernster Infrastruktur, internationalen Forschungsnetzwerken und neuen Märkten. Unser Ziel ist ein innovationsstarkes Europa, das Schlüsseltechnologien selbst entwickelt und damit unabhängiger von anderen Weltregionen wird. Davon profitieren letztlich auch unsere Betriebe und der gesamte Wirtschaftsstandort.

Innovationen erfordern Mut, langfristige Investitionen und die Bereitschaft, Risiken einzugehen. Welche Rahmenbedingungen brauchen Unternehmen aus Ihrer Sicht, damit sie ambitionierte Innovationsprojekte konsequent verfolgen und erfolgreich umsetzen können?
Innovation braucht vor allem Verlässlichkeit. Unternehmen investieren in Forschung und Entwicklung oft über viele Jahre. Deshalb schaffen wir mit der Industriestrategie 2035 klare Prioritäten und langfristige Planungssicherheit. Genauso entscheidend sind gut ausgebildete Fachkräfte. Wir investieren daher gezielt in Aus- und Weiterbildung und schaffen neue Lehrberufe in allen Schlüsseltechnologien und Stärkefeldern. Unser Anspruch ist, dass Unternehmen in Österreich nicht nur die richtigen finanziellen Rahmenbedingungen vorfinden, sondern auch die qualifizierten Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter von morgen, die sie für Innovation brauchen. Denn erfolgreiche Innovation entsteht dort, wo langfristige Perspektiven auf hervorragend ausgebildete Menschen treffen.

Wenn wir über die Weltspitze von morgen sprechen: Welche Schlüsseltechnologien werden aus Ihrer Sicht in den kommenden Jahren über die internationale Wettbewerbsfähigkeit des Wirtschaftsstandorts Österreichs entscheiden – und wo setzen Sie dabei die strategischen Schwerpunkte?
Mit der Industriestrategie 2035 haben wir erstmals klar definiert, welche Schlüsseltechnologien und Stärkefelder für Österreich besonders relevant sind. Unser Leitgedanke lautet: Stärken stärken. Statt Fördermittel nach dem Gießkannenprinzip zu verteilen, konzentrieren wir uns auf jene Bereiche, in denen Österreich bereits international stark ist oder das Potenzial hat, zur Weltspitze aufzuschließen. Dafür investieren wir bis 2029 insgesamt 2,6 Milliarden Euro, davon rund eine Milliarde aus meinem Ressort. Das schafft Planungssicherheit für Unternehmen und Investoren und stärkt gezielt jene Technologien, die unsere Wettbewerbsfähigkeit langfristig sichern. Unser Ziel ist ambitioniert: Österreich soll bis 2035 wieder zu den Top 10 der OECD-Länder bei der Industrieproduktion gehören.

In welchen Zukunftstechnologien kann Österreich bereits heute international Maßstäbe setzen – und in welchen Bereichen braucht es noch gezielte Impulse, um bestehende Stärken und Potenziale besser zu nutzen?
Österreich kann bereits heute in mehreren Zukunftsbereichen international Maßstäbe setzen. Ein hervorragendes Beispiel ist das AIT, das angewandte Spitzenforschung erfolgreich mit der Wirtschaft verbindet. Auf diesem Erfolgsmodell bauen wir auf. Mit der AI Factory Austria schaffen wir modernste KI-Infrastruktur, bringen Wissenschaft, Start-ups und Unternehmen zusammen und investieren in einen KI-optimierten Hochleistungsrechner, der Österreich im internationalen Wettbewerb stärkt. Gleichzeitig müssen wir unsere Stärken konsequent weiterentwickeln. Entscheidend ist, Talente im Land zu halten, Forschung schneller in marktfähige Innovationen zu überführen und bestehende Potenziale noch besser zu nutzen. So schaffen wir die Voraussetzungen dafür, dass Österreich auch künftig zu den führenden Innovationsstandorten Europas zählt.

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