Walter Welledits, Geschäftsführer Salm Group, Copyright: Sabine Klimpt

Interview mit Walter Welledits (87), Salm Group: Nach jedem Regen scheint wieder die Sonne

Monica Rintersbacher, Geschäftsführerin Leitbetriebe Austria, im Gespräch mit Walter Welledits, dem Geschäftsführer des Familienbetriebs und Brauereianlagenbauers Salm.

Monica Rintersbacher: Sehr geehrter Herr KR Walter Welledits, Salm gibt es seit 1924 – welche Krisen haben Sie als Unternehmer in dieser langen Zeit bereits erlebt?
Walter Welledits: Mein Vater hat das Unternehmen 1924 gegründet – fünf Jahre später ist die Weltwirtschaftskrise ausgebrochen. Wir haben diese überlebt und konnten die Firma weiter ausbauen. Später, im zweiten Weltkrieg, musste zwar mein Vater nicht einrücken, da wir für die Wehrmacht arbeiten mussten, aber wir haben damals bis auf die Büroräumlichkeiten in der Zieglergasse letztlich trotzdem alles verloren. Wir konnten uns dann wieder wirtschaftlich erholen. Und nun stehen wir, so will ich das bezeichnen, vor dem dritten Weltkrieg. Die Waffe Corona hat jedenfalls größere Auswirkungen als eine Atombombe, weil sie um die ganze Welt gegangen ist. Wir werden Hilfe brauchen, aber wir werden auch diese Herausforderung überwinden. Was mich verunsichert ist, dass wir eine sehr junge Regierung haben, die in Wohlstand aufgewachsen ist und nie die Entbehrungen etwa im zweiten Weltkrieg erleben musste. Das kennen die jungen Leute nicht und daher hätte ich mich gefreut, wenn die junge Regierung auf ältere Menschen zugekommen wäre, die schon mehr Erfahrung gesammelt haben.

Um die aktuelle Krise zu überstehen braucht es vor allem auch die Unterstützung der Banken, die auf 3-4 Jahre wohl nicht damit rechnen können, dass es zu Kreditrückzahlungen kommen kann. Wir werden diese Zeit brauchen, um den Betrieb dorthin zu bringen, wo er vor der Krise war.

Wenn Sie als Berater gefragt würden, welche Erfahrungswerte und Lösungsansätze würden Sie weitergeben?
Das Ziel muss sein, die Betriebe am Leben zu halten. Dies ist nur möglich, wenn man diese dem Bedarf anpasst und herunterfährt. Das wird Entlassungen und Arbeitslose mit sich bringen, aber es bringt nichts weiter zu produzieren, wenn man den Absatz nicht hat. Statt der niedrigen Investitionszuschüsse, die nichts bringen, müsste schon mehr passieren, um Investitionen anzuregen. Sinnvoll war auf jeden Fall zum Beispiel die Reduzierung der Mehrwertsteuer in der Gastronomie. Entscheidend sind sicher ohne Zweifel die Kredite, wobei ich nicht von Überbrückungskrediten spreche, die in drei Jahren zurückzuzahlen sind. Das wäre nicht möglich, selbst wenn es im Herbst 2021 wider Erwarten die Rückkehr zur Normalität gibt. In den Unternehmen müssten andere Dinge nachgeholt werden, bevor man Kredite zurückzahlen kann und die Banken müssten hier Rücksicht nehmen und es sollte möglich sein vier oder fünf Jahre auszusetzen. Bei der momentanen Zinssituation wären die Verluste für die Banken auch überschaubar. Es gäbe viele Möglichkeiten. Ich persönlich sehe ein gigantisches Problem, wenn durch mehr Arbeitslose die Wirtschaft noch weiter kaputt gemacht wird und davon hat auch der Staat nichts.

Es ist tragisch, wenn durch Corona Menschen sterben. Wir haben aber auch nichts davon, wenn es – wie etwa in meinem Umfeld in einem Fall – etwa zu Selbstmorden durch die Folgen des Lockdowns kommt. Und hier vermisse ich, dass es zum Gespräch mit erfahrenen, älteren Menschen kommt.

Sie sind nicht nur Anlagenbauer, sondern betreiben auch Gastronomie. Halten Sie hier die Kurzarbeit für eine sinnvolle Maßnahme?
Die Kurzarbeit war eine gute Sache, als man geglaubt hat, das Problem sei in einigen Wochen oder Monaten bereinigt. Es kommt aber anders und wir sprechen bereits von einer zweiten Welle. Wenn es zu einem zweiten Shutdown kommt, fürchte ich, dass gar nichts mehr hilft. Dann haben wir eine Situation wie nach dem zweiten Weltkrieg – nur dass es damals einen großen Bedarf und einen Wiederaufbau gab und nicht nur tote Firmen.

Es geht aktuell auch nicht nur um die Gastronomie … bei uns ist ohne Nachfrage von Messen oder auch aus dem Exportgeschäft auch der Anlagenbau komplett zusammengebrochen. Wir haben derzeit viele Offerte bei den Kunden, es gibt aber wenig Möglichkeit zum persönlichen Kontakt und große Anlagen mit einem Preis von über einer Million Euro lassen sich ohne persönliches Gespräch oder Besichtigungstermine schwer verkaufen. Da sind uns die Hände gebunden und wir können nichts tun. Auch Home-Office wird meiner Meinung nach, nach hinten losgehen, ebenso wie die Idee einer Vier-Tage-Woche. Dadurch werden die einzelnen Arbeitsstunden nur teurer und schon heute gibt es Konkurrenz aus dem Ausland, die deutlich günstiger anbietet. Würde man international in die Bewältigung der Coronakrise investieren was etwa in Waffen investiert wird, würde es unserer Gesellschaft schon ganz anders gehen.

Die Gastronomie leidet, wenn sie vom Tourismus abhängig ist, das sieht man auch in Wien und auch in unserem Salmbräu. Es leiden aber nicht alle Betriebe. Hier sollten nur jene Betriebe unterstützt werden, die es wirklich brauchen und nicht jene, denen es trotzdem gut geht.

Sie produzieren Brauereianlagen zu Herstellung von Bier. Wer sind hier ihre Kunden?
Wir machen insbesondere kleinere Anlagen zur Herstellung von Bier für die größere Gastronomie und industrielle Einsatzzwecke. Es ist uns als einzigen Unternehmen gelungen, die CO2-Emissionen unserer Anlagen um 60 Prozent und die Luftemissionen um 90 Prozent zu reduzieren. Insofern müssten die Kunden bei uns anstehen – sie kaufen jedoch stattdessen günstigere Konkurrenzprodukte und blasen große Mengen an CO2 in die Atmosphäre.

Hier wäre natürlich auch der Staat mit Vorgaben gefordert, der etwa festlegen könnte, wie hoch der Energieverbrauch für die Herstellung von einem Hektoliter Bier sein darf. Es fehlt einfach die Vergleichbarkeit zwischen den Produkten und oft wird nur der Einkaufspreis gesehen und nicht die Qualität oder die Auswirkungen auf die Umwelt. Ich kritisiere hier die Politik, die vor einer Wahl die Nähe zur Bevölkerung sucht und diese dann aber vergisst. Mit mehr Austausch, könnte man sicher mehr bewegen.

Sie haben erzählt, dass Sie in erster Linie exportieren. Gibt es in dem Bereich aktuell Unterstützung von offizieller Stelle?
Momentan können wir nichts anderes tun, als zu warten, bis sich alles normalisiert und wir wieder in der Lage sind, auf Messen mit Interessenten Gespräche zu führen oder auch Kunden zu besuchen. Wir sind zB der einzige Lieferant für Brauanlagen in Kuba und es gibt langjährige Geschäftsbeziehungen. Hier wurde zwar eine neue Anlage bestellt, aber es fehlen in Kuba gerade die Einnahmen aus dem Fremdenverkehr, um das Geschäft abzuschließen. Es gibt überall Probleme und wir können wenig tun, als auf Sparflamme zurückzudrehen und auf die Zeit warten, die uns danach wieder ermöglicht voll durchzustarten.

Ihr Unternehmen wird bereits in dritter Generation geführt, Sie denken wohl bereits an die Weitergabe. Wie ist die Nachfolge bei Ihnen im Familienbetrieb geregelt?
Mein Sohn ist die dritte Generation und bereits komplett in das Unternehmen integriert. Ich selbst bin quasi schon dabei, meine Koffer zu packen. Mein Sohn selbst hat eine Tochter, die nach dem Studium gerade Erfahrung im Ausland sammelt und wir haben die Hoffnung, dass sie eines Tages den Betrieb übernehmen wird. Nur wenn sich die Situation gar nicht bessert, bleibt uns nur, unseren Anlagenbau dem Mitbewerb zum Kauf anzubieten.

Was wäre ihr persönlicher Wunsch?
Die Firma besteht nun 96 Jahre und ich habe den Wunsch – auch ganz persönlich – das 100-Jahr-Jubiläum zu erleben und zu feiern. Wir haben 160 Brauereien in über 30 Ländern der Welt geliefert – das will ich nicht schnell ad Acta legen. Meine Generation ist es gewohnt bis zum Schluss zu kämpfen und das tue ich mit 87 Jahren nach wie vor. Ich habe zu Hause den Koffer gepackt, um jederzeit zu einem Interessenten zu reisen, um seine Investition zu besprechen.

Herr Welledits, danke vielmals für dieses Interview!

 

Weitere Informationen:
www.salm-austria.com
www.leitbetriebe.at

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