Recruiting, Mitarbeiterentwicklung und Employer Branding entscheiden sich nicht in Hochglanzkampagnen – sondern in jedem einzelnen Kontakt. Ein Gastkommentar von Martin Zauder, Managing Director & Partner, easystaff human & resources GmbH.
Der Arbeitsmarkt hat sich gedreht. Nicht mehr nur Unternehmen wählen aus, sondern immer stärker die Bewerberinnen und Bewerber. Wer heute Menschen gewinnen und vor allem halten will, muss drei Fragen gut beantworten: Wie finden wir die Richtigen? Wie entwickeln wir sie weiter? Und wofür stehen wir als Arbeitgeber? Bei easystaff, wo über ein paar tausend Menschen allein im Jahr 2025 mehr als zwei Millionen Einsatzstunden geleistet haben, spüren wir alle drei Fragen jeden Tag.
Recruiting: schnell, digital – und trotzdem menschlich
„Ich habe mich entmenschlicht gefühlt.“ So beschrieb eine Bewerberin im STANDARD ihr Vorstellungsgespräch mit einer KI-Interviewerin. Das Unternehmen, bei dem sie sich beworben hatte, war unseres. Wo der Artikel Schwächen des KI-Systems aufzeigt, hat er recht: Eine Software, die ins Wort fällt und falsch transkribiert, ist nicht das, wofür wir stehen.
Trotzdem bin ich überzeugt, dass KI ins Recruiting gehört. Laut KI-Servicestelle der RTR nutzen bereits knapp 70 Prozent der heimischen HR-Abteilungen KI. Auf manche Stellen kommen heute zehnmal so viele Bewerbungen wie früher. KI reagiert sofort statt nach Wochen, stellt allen dieselben Fragen und schafft unseren Recruiterinnen und Recruitern Zeit für echte Gespräche. Bei uns haben Bewerberinnen und Bewerber deshalb die Wahl: Sie können sofort und rund um die Uhr ein Erstgespräch mit unserer KI führen – oder einen Termin für ein persönliches Gespräch mit einer Recruiterin oder einem Recruiter vereinbaren. Die KI ist ein zusätzliches Angebot, kein Ersatz. Sie bewertet nicht und entscheidet nicht: Jedes Gespräch liest ein Mensch nach, und über einen Menschen entscheidet ein Mensch.
Die größere Herausforderung im Recruiting ist ohnehin eine andere: Ghosting. Bewerberinnen und Bewerber sagen einen Termin zu und erscheinen nicht. Wir erleben sogar, dass Menschen den Vertrag unterschreiben, am ersten Arbeitstag nicht auftauchen und danach nicht mehr erreichbar sind. Bei einer Messe oder einem Sicherheitseinsatz lässt sich ein leerer Platz nicht verschieben. Digitale Check-ins und ein lückenloses Backup- und Standby System sichern unsere Kunden ab. Die eigentliche Antwort auf Ghosting ist aber Verbindlichkeit – und die entsteht durch Wertschätzung, von Anfang an.
Mitarbeiterentwicklung: Der erste Job prägt
Für viele junge Menschen ist ein Einsatz bei easystaff der erste Kontakt mit der Arbeitswelt. Dieser erste Eindruck prägt, wie sie Arbeit insgesamt erleben. Daraus erwächst Verantwortung.
Entwicklung findet bei uns deshalb nicht nur im Seminarraum statt. Unsere Akademie bereitet Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter auf ihre Einsätze vor. Nach jedem Einsatz gibt es Feedback, das in eine persönliche Einsatzhistorie fließt. Wer sich bewährt, bekommt anspruchsvollere Projekte und mehr Verantwortung. Und auch ein kurzer Einsatz schult, was in jeder Karriere zählt: Auftreten, Kundenkontakt, Teamarbeit und einen kühlen Kopf unter Zeitdruck.
Wie weit dieser Weg führen kann, sehen wir an unseren easystaffern, wie wir unsere Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter nennen. Viele haben es bei uns bis zur Unit-Leitung geschafft, andere bei unseren Kunden bis ganz nach oben. Nach 25 Jahren passiert es uns immer wieder, dass uns ehemalige easystaffer plötzlich als Kunden gegenübersitzen. Und oft hören wir dann denselben Satz: easystaff war der perfekte Einstieg ins Berufsleben. Ein schöneres Kompliment kann man als Arbeitgeber kaum bekommen.
Entwicklung braucht außerdem faire Startbedingungen. Unser Leitbild für Diversität und Inklusion verpflichtet uns zu Chancengleichheit bei der Rekrutierung. Ein ungewöhnlicher Lebenslauf ist für uns kein Makel, sondern oft eine Stärke.
Employer Branding: Die Marke entsteht im Alltag
Die junge Generation will flexibel bleiben. Sie studiert, reist, gründet, probiert aus und will selbst bestimmen, wann und wie viel sie arbeitet. Das ist keine mangelnde Leistungsbereitschaft, sondern ein anderes Verständnis von Arbeit. Unternehmen, die darauf mit starren Modellen reagieren, verlieren das Rennen um Talente.
Genau hier setzt unser Modell an. Mit der easystaff App sehen unsere Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter Einsätze direkt am Smartphone, bewerben sich mit einem Klick und planen ihre Arbeit nach dem eigenen Kalender – ein Wochenende auf der Messe, ein paar Abende im Event-Service, ein längeres Projekt in den Semesterferien. Gleichzeitig bieten wir, was Flexibilität erst wertvoll macht: Bezahlung nach Kollektivvertrag, automatische und gesetzeskonforme Anmeldung, arbeitsrechtliche Sicherheit und auf Wunsch ein jederzeitiges Aconto des Guthabens.
Employer Branding ist für mich deshalb keine Werbekampagne. Die Arbeitgebermarke entsteht in jedem Berührungspunkt: in der ersten Antwort auf eine Bewerbung, im ersten Gespräch, im ersten Arbeitstag. Wer sich dort respektiert fühlt, erzählt es weiter – und kommt wieder.
Fazit: Technik als Werkzeug, Mensch als Maßstab
Digitale Werkzeuge und KI werden Recruiting, Entwicklung und Employer Branding weiter verändern. Ob sie die Arbeitswelt menschlicher oder kälter machen, entscheiden wir. Erfolgreich werden jene Unternehmen sein, die Technik für Geschwindigkeit und Flexibilität nutzen – und die gewonnene Zeit in Menschen investieren. Denn am Ende gibt nicht ein Algorithmus einem Menschen eine Chance, sondern ein anderer Mensch.
Zur Person
Martin Zauder ist Managing Director & Partner der easystaff human & resources GmbH. Das 2001 von den Brüdern Huber gegründete österreichische Unternehmen ist in seinen Kernbereichen Short Term Personaldienstleistungen für Promotion, POS, Hospitality, Gastro, Security und Mobility Service Marktführer, aber auch klassischer Arbeitskräfteüberlasser, a-weit. easystaff wurde seit 2016 als Leitbetrieb Austria ausgezeichnet.
Quelle: DER STANDARD, „Vorstellungsgespräch mit KI: Ich habe mich entmenschlicht gefühlt“, Melanie Raidl, 10. Juli 2026






