Dipl.-Ing. Alexander Sieh, Senior Lecturer HCW © Rosenmayer

Hochschule Campus Wien: Nachhaltiges Bauen angesichts der Klimaerhitzung

Nachhaltigkeit und Ressourcenmanagement werden an der größten Fachhochschule Österreichs mit mehr als 9.000 Studierenden täglich gelebt – in der Forschung und in der Lehre. Besondere Relevanz hat das Thema – angesichts der durch den Klimawandel entstandenen Hitzewellen mit Temperaturen bis zu 40 Grad – im Gestalten der Wohnungen der Zukunft.

Hitzeschutz in Gebäuden muss zur Norm werden
Schutz vor Hitze im Sommer müsse genauso selbstverständlich sein wie Schutz vor Kälte im Winter, appelliert Alexander Sieh, Bauphysiker und Experte für klimaangepasstes Bauen im Department Bauen und Gestalten an der Hochschule Campus Wien. „Wir diskutieren auch nicht, ob die Menschen es im Winter drei Wochen lang bei null Grad in der Wohnung aushalten müssen. Heizungen sind selbstverständlich.“
Um Wohnungen im Sommer kühl zu halten, hilft außenliegender Sonnenschutz wie Rollläden, Raffstores oder Außenjalousien. Begrünung und Wasserflächen senken die Temperaturen in den Städten ebenfalls deutlich. „Oberflächen müssen entsiegelt und Bäume gepflanzt werden. Oft passiert leider genau das Gegenteil.“

Bauordnungen sind veraltet und setzen Hitzeschwellen zu hoch an 
Die derzeitigen Bauordnungen müssen dringend an die neue Hitzerealität angepasst werden, erklärt der Experte für klimaangepasstes Bauen. „Die Grundlage für die Planung sind Außentemperaturen der Jahre 1981 bis 2000. Das bedeutet, dass die maximale Außentemperatur mit 31,5 Grad in Wien angenommen wird, während sie in Wahrheit fast 40 Grad beträgt.“  Auch die derzeitigen Hitzegrenzwerte von 30 Grad in den Bauordnungen seien für Menschen in Innenräumen sind viel zu hoch, erklärt Sieh.

Kühlsysteme müssen selbstverständlich sein
„Es ist nicht zumutbar, dass Menschen in heißen Stadtwohnungen wochenlang bei 30 Grad leben müssen. Wir sagen im Winter auch nicht, dass man bei null Grad in der Wohnung aushalten muss“, erklärt Alexander Sieh, Bauphysiker und Experte für klimaangepasstes Bauen im Department Bauen und Gestalten an der Hochschule Campus Wien. „Kühlmaßnahmen müssen genauso selbstverständlich werden wie Heizungen im Winter.“
Gerade beim Neubau sei es einfach und umweltverträglich, Kühlungen von vornherein einzuplanen. „Bei der Bauteilaktivierung zirkuliert kühles Wasser durch Rohrleitungen, die in Wänden oder Decken integriert sind. Dadurch nehmen die Bauteiloberflächen Wärme aus dem Raum auf und sorgen für eine gleichmäßige Kühlung.“
Denn, so Sieh: „Wir bauen Gebäude für die nächsten 100 Jahre und die Sommer werden noch heißer werden.“

Mehr dazu:

https://www.hcw.ac.at/departments/bauen-und-gestalten

https://www.hcw.ac.at/forschung/forschungszentren/forschungszentrum-bauen-und-gestalten

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