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Neue Studie: Personalkosten in Mittel- und Südosteuropa als Faktor der Standortentscheidung

Das renommierte Steuerberatungsunternehmen TPA hat gemeinsam mit dem Personalberatungsunternehmen Kienbaum eine Studie herausgebracht, die die Arbeitskosten in zwölf ausgewählten Ländern Süd- und Mitteleuropas erhebt. Im Fokus der Studie „Personalkosten als Faktor der Standortentscheidung“ stehen vier Personengruppen: Geschäftsführer, Führungskräfte, Angestellte und Arbeiter.

„Viele unserer Kunden sind international tätig und setzen ihre Mitarbeiter länderübergreifend ein. Das hat uns dazu gebracht, das Thema Arbeitskosten im Vergleich vieler relevanter Mittel- und Osteuropäischer Länder unter die Lupe zu nehmen“ so Klaus Bauer-Mitterlehner, Partner bei TPA. Der Steuerberater verantwortet gemeinsam mit Thomas Haneder, ebenfalls Partner bei TPA, und Wolfgang Höfle, TPA-Experte für Lohn- und Sozialversicherung, die Studie. Wolfgang Höfle: “Für Unternehmen lohnt es sich, genau hinzusehen, vor allem, wenn sie Mitarbeiter entsenden oder überlegen einen neuen Standort zu eröffnen.“ „Nearshoring ist das Schlagwort der Stunde – dabei spielen die Personalkosten neben anderen Faktoren eine entscheidende Rolle.“ so Thomas Haneder.

Zur Grundlage der Studie: Auf Basis der Bruttoentgelte der Länder Albanien, Bulgarien, Kroatien, Montenegro, Österreich, Polen, Rumänien, Serbien, Slowakei, Slowenien, Tschechien und Ungarn wurden die Gesamtkosten, die einerseits für den Arbeitgeber entstehen, aber auch die Nettobeträge, die der jeweilige Mitarbeiter (am Ende des Monats) erhält, ermittelt.

Betreffend Personalkosten für Arbeitgeber lassen sich folgende Punkte hervorheben:

  • Österreich liegt bei den Gesamtkosten immer mit großem Abstand an erster Stelle und verzeichnet somit die höchsten Personalkosten in allen Personengruppen.
  • Danach folgen bei allen Personengruppen die Staaten Slowenien, Tschechien und Slowakei – alle drei sind direkte Nachbarn von Österreich.
  • Im „Mittelfeld“ bewegen sich die Gesamtkosten der Länder Polen, Kroatien und Ungarn.
  • Niedrige Gesamtkosten zeigen Montenegro, Rumänien, Serbien und Bulgarien (je nach Personengruppe in unterschiedlicher Reihung).
  • Die geringsten Gesamtkosten fallen durchwegs bei allen Personengruppen in Albanien an.

Auffallend ist, dass die Personalkosten in den Nicht-EU-Ländern vergleichsweise niedrig sind. Weiters: Jene Länder, die der EU früher beigetreten sind (Slowenien, Tschechien, Slowakei, Polen, Ungarn), weisen höhere Kosten auf als Länder mit späterem EU-Beitritt (Rumänien, Bulgarien).

In Südosteuropa sind also geringere Personalkosten auszumachen. Bei den Zahlen und Berechnungen ist zu bedenken, dass bei Standortentscheidungen auch andere Kriterien (zB Ausbildungs- und Qualifikationsniveaus, Einschränkungen durch arbeitsrechtliche Bestimmungen etc.) zu berücksichtigen sind.

Besondere Branchenbetrachtungen. Die Länder Mittel- und Südosteuropas sind beliebte Outsourcing-Standorte für den IT-Sektor und die produzierende Industrie. Als Resultat einer detaillierten Betrachtung dieser beiden Branchen lassen sich folgende Punkte zusammenfassen:

  • Die Reihung der einzelnen Länder ändert sich im Wesentlichen nicht.
  • Die Personalkosten von Angestellten im IT-Bereich liegen in allen Ländern über dem Durchschnitt.
  • Die Personalkosten von Arbeitern in der produzierenden Industrie sind durchwegs geringer als im Branchenschnitt – in Kroatien beispielsweise sogar um 21 %.

Was bleibt dem Mitarbeiter netto? Der Studie liegen je nach Land unterschiedlich hohe Bruttobeträge zugrunde, es können sich daher im Einzelfall trotz hoher Steuern und Sozialversicherungsbeiträge hohe Nettobeträge ergeben.

  • Insofern ist es aufgrund der mit Abstand höchsten Bruttobeträge wieder nicht überraschend, dass sich in Österreich trotz hoher Steuern und Sozialversicherungsbeiträge die höchsten Nettobeträge ergeben.
  • Danach ergibt sich aufgrund der unterschiedlichen Steuersysteme (flat-tax / progressiver Steuertarif; Sozialversicherung mit / ohne Höchstbeitragsgrundlage) je nach Personengruppe ein unterschiedliches Bild.

Gegenüberstellung Netto-Gesamtkostenverhältnis: Während in Österreich und Slowenien das Netto-Gesamtkosten-Verhältnis bei sinkenden Vergütungen ansteigt (insbesondere aufgrund des progressiven Steuersystems und hoher SV Höchstbeitragsgrundlagen), entwickelt sich dieses in Albanien, Bulgarien und Serbien entgegengesetzt (aufgrund Flat Tax und niedriger SV-Höchstbeitragsgrundlagen). In den letztgenannten Ländern führt dies zu dem gesellschaftlich bemerkenswerten Ergebnis, dass die gut verdienenden Personen nicht nur in absoluten Zahlen mehr verdienen, sondern in Relation zu den Gesamtkosten.

Um das zu verdeutlichen seien Bulgarien und Österreich gegenübergestellt. In Bulgarien erhält ein Geschäftsführer 85 % der insgesamt auf ihn entfallenden Personalkosten als Nettogehalt überwiesen, einem gering verdienenden Arbeiter verbleiben lediglich 65 % netto. In Österreich verhält sich das genau entgegengesetzt. Das Nettogehalt des Geschäftsführers beträgt lediglich 49 % der Gesamtkosten, beim Arbeiter hingegen 60 %. Diese völlig konträre Entwicklung ergibt sich einerseits aus einem unterschiedlichen Steuersystem (Flat Tax von 10 % in Bulgarien, progressive Besteuerung mit Grenzsteuersatz von 55% in Österreich). Anderseits werden in Bulgarien gut verdienende Personen durch die geringe SV-Höchstbeitragsgrundlage von EUR 18.000 jährlich (in Österreich EUR 77.700 jährlich) begünstigt. Die Lebenserhaltungskosten in den einzelnen Ländern sind teilweise höchst unterschiedlich. Aus der Relation zwischen den gesamten Personalkosten des Arbeitgebers einerseits und den Nettobeträgen der Mitarbeiter andererseits kann man erkennen, wie viel der jeweilige Staat anteilig an Steuern und Sozialversicherungsbeiträgen einhebt und unter anderem zur Finanzierung seiner Infrastruktur, der verschiedenen Systeme der sozialen Sicherheit und anderer wichtiger gemeinwirtschaftlicher Güter und Dienstleistungen verwendet.

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