Lukas Schinko CEO Neuroth-Gruppe; © Neuroth

Neuroth: Über Generationen hinweg erfolgreich (Interview)

„Der Mut und der Innovationsgeist unserer Gründerin Paula Neuroth steckt bis heute in uns,“ betont Lukas Schinko, CEO Neuroth-Gruppe.

Im Interview mit Leitbetriebe Austria spricht Lukas Schinko darüber, welche stolze Entwicklung das Familienunternehmen seit der Gründung genommen hat, warum es wichtig ist Mut zu zeigen und was es heißt, ein Unternehmen über die Generationen erfolgreich zu führen.

Leitbetriebe Austria: Können Sie Ihr Unternehmen Neuroth im ersten Schritt bitte kurz vorstellen?
Lukas Schinko: „Besser hören, besser leben“ – dieser Philosophie hat sich Neuroth bereits seit über 115 Jahren verschrieben. Mit über 115-jähriger Tradition sind wir nicht nur Österreichs führendes Hörakustikunternehmen, sondern zählen auch in Europa zu den führenden Anbietern. Worauf wir besonders stolz sind, ist unsere Geschichte: Meine Urgroßtante Paula Neuroth war selbst schwerhörig. Der Moment, als sie 1907 selbst ihr erstes Hörgerät bekommen und entschieden hat, auch anderen Menschen helfen zu wollen, war der Beginn unserer Firmengeschichte. Sie hat Mut bewiesen – und wichtige Pionierarbeitet geleistet.

Unsere Unternehmensgruppe beschäftigt mittlerweile rund 1300 Mitarbeiter*innen an 280 Standorten in acht Ländern – mit dem Ziel, Menschen mithilfe individueller Hörlösungen Hörstärke zu ermöglichen. Neben maßgefertigten Hörgeräte- und Gehörschutz-Lösungen zählen auch die Kinderakustik und Medizintechnik zu unseren Geschäftsbereichen. Unser Headquarter ist in Graz, im südsteirischen Lebring betreiben wir eines der größten Hörakustiklabore in Europa – das bedeutet: Hier haben wir Fertigung, Logistik und unsere Akademie unter einem Dach.

Neuroth blickt auf eine lange Tradition zurück. Das Unternehmen befindet sich seit 1907 in Familienhand. Was hat sich über die Generationen hinweg im Familienbetrieb verändert, was hat sich bis heute gehalten?
Die Hörgeräte-Technik hat sich in den vergangenen 115 Jahren am stärksten verändert: Hörgeräte von heute sind smarte Kommunikationstools, die man zum Beispiel praktisch mit dem Smartphone oder dem Fernseher verbinden kann. Parallel dazu haben auch wir als Familienunternehmen eine sehr stolze Entwicklung genommen – vom „1. Spezialhaus für Schwerhörigenapparate“ in der K&K-Monarchie zu einem der europaweit führenden Hörakustikunternehmen mit mittlerweile rund 280 Fachinstituten und knapp 1300 Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern. Wir haben die Internationalisierung in den vergangenen Jahren schrittweise vorangetrieben. Aber auch wenn wir als Unternehmen, das von mir in vierter Generation geführt wird, stark gewachsen sind, ist für uns das Miteinander bis heute sehr wichtig. Daher sind wir froh, so viele langjährige und erfahrene Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter zu haben. Was seit 1907 gleichgeblieben ist: unsere Leidenschaft fürs Hören.

Neuroth blickt auf eine über 115-jährige Erfolgsgeschichte zurück. Was macht ein Familienunternehmen wie Neuroth so stark?
Mut zu zeigen, gewisse Dinge einfach zu wagen und rechtzeitig anzupacken – das ist aus meiner Sicht sehr wichtig. Was uns stark macht, ist unser täglicher Antrieb – nämlich Menschen mehr Hörstärke zu ermöglichen. Der Mut und der Innovationsgeist unserer Gründerin Paula Neuroth steckt bis heute in uns. Diese Leidenschaft fürs Hören macht unseren Spirit aus – auch über die Landesgrenzen hinaus. Wir arbeiten im schönsten Business der Welt. Weil unser Hörsinn etwas Besonderes ist und weil Hören Menschen zusammenbringt.

Wenn in der Familie eng zusammengearbeitet wird, ergeben sich natürlicherweise auch Herausforderungen. Welche sind das bei Ihnen im Unternehmen und wie wird damit umgegangen?
Wir haben als Unternehmen den Schritt vom rein eigentümergeführten- zum eigentümer- und managementgeführten Unternehmen sehr gut geschafft. Das bedeutet: Wir sind heute sehr breit und gut aufgestellt. Als CEO stehe ich an der Spitze von Neuroth, mein Bruder Gregor ist Aufsichtsratsvorsitzender. Ich war 24 Jahre alt, als ich von meiner Mutter die Verantwortung für das Unternehmen übernommen habe – das war 2011. Wofür ich ihr bis heute dankbar bin, war damals der klare Schnitt und das absolute Vertrauen, das sie mir geschenkt hat. Grundsätzlich ist es als Familienunternehmen also wichtig, für Klarheit zu sorgen. Eine komplette Trennung zwischen Family und Business ist aber natürlich schwierig.

Welche Bedeutung haben Familienunternehmen Ihrer Meinung nach für die österreichische Wirtschaft?
Familienunternehmen spielen eine sehr wichtige Rolle in unserer Wirtschaft. Hinter jedem Familienunternehmen steckt ein besonderer Unternehmergeist und sehr viel Herzblut. Und ein Unternehmen über Generationen hinweg erfolgreich zu führen und weiterzuentwickeln, ist eine besondere Leistung, auf die jeder stolz sein kann.

Welches Thema wird bei Ihnen im Unternehmen zukünftig immer wichtiger? Wohin möchte sich Neuroth entwickeln?
Seit über 115 Jahren ist Neuroth nun bereits erfolgreich, darauf bin ich persönlich sehr stolz. Das funktioniert nur, wenn man sich immer wieder neu erfindet. Das möchten wir auch weiterhin tun. Die Digitalisierung wird weiterhin ein großes Thema sein, genauso wie weitere Expansionsschritte. Was uns aber besonders am Herzen liegt: Wir wollen weiter einen positiven offenen Umgang mit dem Thema Hörminderung in unserer Gesellschaft fördern. Wir wollen Menschen mit Hörminderung motivieren, selbstbewusst ein Hörgerät zu tragen. Gemeinsam wollen wir für Hörstärke stehen.

Vielen Dank für das Interview!

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