Zweite Covid-19-Welle trifft österreichische Wirtschaft weniger als Gesamteuropa

  • Österreichisches BIP sinkt 2020 voraussichtlich um 7,1%, für 2021 wird ein Wachstum von 5% erwartet
  • Kluft zwischen Gewinnern und Verlierern der Krise nimmt zu: Telekommunikationssektor bleibt konstant auf Wachstumskurs, Dienstleistungsbranche kämpft mit Einsparmaßnahmen ihrer Auftraggeber
  • Digitalisierung, Nachhaltigkeit, Lokalisierung und New Work als zentrale Stellschrauben auf dem Weg aus der Krise

Die steigenden Corona-Infektionszahlen führen weltweit zu ökonomischer Unsicherheit und einer Eintrübung der wirtschaftlichen Prognosen. Ausgehend von einer anhaltenden Rezession und längerfristig eingeschränktem Konsumverhalten bleibt für die europäischen Märkte jedoch das U-Szenario am wahrscheinlichsten: Für 2020 wird ein Rückgang des österreichischen Bruttoinlandprodukts (BIP) von 7,1% erwartet, wie aktuelle Szenarioanalysen von Strategy&, der Strategieberatung von PwC, im Rahmen der internationalen Studie „Navigating the New Reality“ zeigen.

2021 kommt es demnach hierzulande zu einer wirtschaftlichen Erholung und einem BIP-Anstieg von 5%. Im Vergleich dazu fallen die Prognosen anderer europäischer Länder in der Gesamtbetrachtung negativer aus: Die europäische Wirtschaft verzeichnet den Analysen zufolge 2020 einen Rückgang des BIP von 9,1%, für 2021 ist mit einem erneuten Anstieg von 5,5% zu rechnen. Spanien sieht sich in diesem Jahr der Studie zufolge voraussichtlich mit einem Rückgang des BIP von 11,7% konfrontiert und kann 2021 nur auf eine langsame Erholung in Form von 5,8% hoffen. Auch Frankreich verbucht 2020 perspektivisch ein BIP-Minus von 11,4% (2021: +6%). Für unser Nachbarland Deutschland prognostiziert die Studie heuer einen Rückgang von 7% und einen Anstieg der Wirtschaft von 5,9% im Jahr 2021.

„Die Corona-Pandemie fordert die Resilienz der europäischen Wirtschaft in einem noch nie dagewesenen Maße heraus“, kommentiert Harald Dutzler, Partner bei Strategy& Österreich. „Österreichische Unternehmen und die Politik sollten die durch Covid-19 in einigen Bereichen ausgelöste Zwangsdigitalisierung mithilfe agiler Arbeitsmethoden noch stärker vorantreiben, um Geschäftsmodelle widerstandsfähiger zu machen. Zielgerichtete, strategische Investitionen entscheiden darüber, welche Länder und Branchen letztendlich von der Krise profitieren – und welche auf dem Verliererposten zurückbleiben.“

Kluft zwischen Gewinnern und Verlierern der Krise wird größer
Nach dem initialen Schock im Frühling zeigt sich bereits jetzt deutlich, wie unterschiedlich verschiedene Branchen von der anhaltenden Krise betroffen sind und welchen Schwierigkeiten sie sich gegenüberstehen. Für die wirtschaftliche Erholung auf Branchenebene prognostizieren die Strategy&-Analysen daher auf Basis dieser Entwicklungen ein K-Szenario, in dem die Kluft zwischen Gewinnern und Verlierern der Pandemie abhängig von der Krisenfestigkeit einzelner Sektoren größer wird.

Neben klaren Gewinnern wie dem Onlinehandel erweist sich beispielsweise die Telekommunikationsbranche als äußerst krisenfest. Die stabile Nachfrage nach einer funktionierenden Telekommunikationsinfrastruktur führt 2020 in der Telekommunikationsindustrie zu einem konstanten Wachstum von voraussichtlich 2%. 2021 rechnet die Branche mit einem Zuwachs von 3,1%. Die Covid-19-Krise trifft zudem viele Unternehmen der Pharma- und Life Sciences-Industrie weniger stark als andere Sektoren. Im laufenden Jahr wird die Branche in Österreich lediglich ein Umsatzminus von 0,1% verkraften müssen und sich nach den Szenarioanalysen von Strategy& ab 2021 auf positive Wachstumswerte von 5,0% steigern (2022: +2,6%).

Mit neuen Geschäftsmodellen aus der Krise
Dagegen kämpfen zusätzlich zur Reise- und Tourismusbranche oder dem Unterhaltungssektor auch die heimischen Dienstleister mit den Folgen der Corona-Maßnahmen. Die Kontaktbeschränkungen – kombiniert mit reduzierten Investmentambitionen der Unternehmen – führen bereits jetzt in der Dienstleistungsbranche zu einem Umsatzrückgang von 11,2% (2021: +7,4%). Auch die industrielle Fertigung (2020: -6,6%; 2021: +5%) gehört zu den stärker betroffenen Branchen, da sie die Last ausbleibender Unternehmensinvestitionen zu tragen hat. Die hohe Verschuldung von Staat und Unternehmen im Rahmen der Krise belastet die wirtschaftliche Erholung zusätzlich.

„Viele Geschäftsmodelle stehen bereits durch die Auswirkungen der ersten Welle der Pandemie unter Druck oder brachen sogar zusammen. Die Folgen der zweiten Welle dürften diese Entwicklung noch verstärken“, ordnet Peter Perktold, Senior Partner bei PwC Österreich, die aktuellen Erkenntnisse ein. „Neben der Sicherung des laufenden Geschäfts und dem Vorantreiben notwendiger Maßnahmen zur Restrukturierung und Erneuerung sollte überlegt werden, längerfristige Strategien im Bereich Digitalisierung, aber auch Nachhaltigkeit auf den Weg zu bringen.“

Alle Ergebnisse der Studie „Navigating the New Reality“ finden Sie hier

www.pwc.at

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