Franz-Josef Lackinger / © BFI Wien

35 Jahre Berufskundliche Mittelschule – Erfolgreiche Maßnahme gegen Jugendarbeitslosigkeit

Die Tiroler Jugendarbeitslosigkeit ist niedriger als in den meisten EU-Ländern. Die positiven Zahlen sind kein Zufall, sondern werden in vielen Einzelmaßnahmen des AMS Tirol mit Bildungsinstituten wie dem BFI Tirol erarbeitet.

Eine der erfolgreichsten und nach wie vor hoch aktuellen Maßnahmen zur nachhaltigen Bekämpfung von Jugendarbeitslosigkeit ist die Durchführung von Mittelschulexternistenkursen zum Nachholen des Pflichtschulabschlusses. Diese Berufskundliche Mittelschule bietet seit bereits 35 Jahren Jugendlichen die Möglichkeit, wieder Anschluss im Bildungs- und Ausbildungssystem zu finden.

Viele Eltern machen sich derzeit zurecht Sorgen, dass die Bildung ihrer Kinder durch das Distance-Learning beeinträchtigt wird. Gerade für Familien, die über wenig digitale Medien verfügen, ist es besonders schwierig. Oft können sie ob der eigenen Arbeitsbelastung weder Vorbild für Interessensbildung noch Unterstützung beim digitalen Lernen sein. Aber auch sozial sensible Kinder und Jugendliche, die die Lerngruppe in der Schule als Ansporn brauchen, laufen Gefahr, den Anschluss zu verlieren. Hier bieten AMS Tirol und BFI Tirol seit vielen Jahren Jugendlichen die Möglichkeit, Versäumtes aufzuholen.

„Jugendarbeitslosigkeit muss mit allen Mitteln verhindert werden. Einen unverzichtbaren Beitrag dazu leistet seit nunmehr 35 Jahren das Berufsförderungsinstitut Tirol in Form seiner Berufskundlichen Mittelschulkurse, die das BFI Tirol im Auftrag des AMS durchführt. Eine Erfolgsgeschichte, über die ich sehr froh bin“, gratuliert Bildungs- und Arbeitslandesrätin Beate Palfrader zu diesem Jubiläum und erklärt weiters: „Jeder junge Mensch hat eine zweite oder auch dritte Chance verdient. Mit diesen Kursen werden die Chancen der Jugendlichen auf einen normalen Berufsalltag wesentlich erhöht, gleichzeitig wird ihnen somit auch Hoffnung auf eine gute Zukunft vermittelt.“  

Dr. Beate Palfrader,Bildungs- und Arbeitslandesrätin

Die Durchführung im Auftrag des AMS Tirol obliegt dem BFI Tirol. In rund 17.000 Einzelprüfungen haben sich in diesen 35 Jahren mehr als 1.400 Jugendliche nachträglich den Mittelschulabschluss erarbeitet und damit ihre Chancen auf einen gelungenen Berufseinstieg entscheidend verbessert. Unterstützt durch SozialpädagogInnen und modernste Lehr-Lernsettings schaffen jährlich rund 75 % der TeilnehmerInnen den Abschluss, rund 10 % davon mit gutem oder sogar ausgezeichnetem Erfolg.

Jede Ausbildung setzt in unserer Wissensgesellschaft ein solides Basiswissen voraus, der Arbeitsmarkt erfordert eine höhere Bildung. Generell ist das Ausbildungsniveau im Steigen, wer hier aber im ersten Anlauf nicht mithalten kann, ist bezüglich seiner Zukunftschancen umso schlechter dran und wird sehr leicht zum Notstandshilfeempfänger. Bildungsferne wird in Österreich in hohem Maße „vererbt“, fast ein Fünftel der Jugendlichen, deren Eltern selbst nur niedrig qualifiziert sind, bricht die Schule oder Lehre ab.
Aber nicht nur Bildungsferne sondern Jugendliche aus allen sozialen Schichten haben Lern- oder Lebenskrisen, soziale oder medizinische Probleme, die es aufzuarbeiten gilt, um eine Abwärtsspirale zu durchbrechen.

Die BFI Mittelschule setzte auf das Motto „Erfolg macht erfolgreich“. In unterschiedlichsten schulischen und außerschulischen Tätigkeiten wird es den Jugendlichen ermöglicht, Erfolge zu haben. Die verschiedensten Talente im kreativen, handwerklichen, sozialen, administrativ-organisatorischen Bereich auszuloten macht es möglich, dass sich die darin erfolgreichen Jugendlichen auch an schwierigere Aufgaben heranwagen.

„Die Berufskundliche Mittelschule ist ein wichtiger Teil der Angebotslandschaft für Jugendliche, seit unglaublichen 35 Jahren. Unglaublich deshalb, weil die pädagogischen und didaktischen Konzepte so frisch, jung und engagiert umgesetzt werden, dass sie aus der Tiroler Bildungslandschaft nicht wegzudenken sind.

Die AbsolventInnen holen in der Mittelschule jene fachlichen Skills nach (wie Rechtschreiben, Rechnen, Allgemeinbildung), die sie für eine anschließende Ausbildung, oft ist es dann eine Lehre, brauchen. Und sie nehmen vor allen Dingen mit, dass Lernen Spaß machen kann, sie lernen sich weiterzubilden – und das ist fast das wichtigste Ziel mit Blick auf die Arbeitswelt. Und dieses Ziel wird von vielen alle Jahre wieder erreicht. Daher fördert das AMS traditionell diese wichtige Einrichtung – die Basis für erfolgreiche Berufskarrieren für die, die ein bisschen Starthilfe extra brauchen.“

Mag.a Sabine Platzer-Werlberger,Stellvertretende Landesgeschäftsführerin des AMS Tirol.

Aufbauprogramm statt Schonhaltung hat sich bewährt und führte zu sehr nachhaltigen Berufswegen: Unternehmer finden sich ebenso unter den AbgängerInnen wie eine bunte Vielfalt handwerklicher Berufe, Handels- und Büroberufe, Krankenpfleger, ChemielabortechnikerInnen und erfolgreiche StudentInnen und Akademiker.

Höherqualifizierung als wirksamste Maßnahme gegen Arbeitslosigkeit fängt mit dem Mittelschulabschluss an. Er ist der vielleicht wichtigste Schritt in ein erfolgreiches Berufsleben.

Erfolgreicher Hauptschulabschluss: Das BFI als Vorreiter in Sachen Bildung

„Wer glaubt, dass es selbstverständlich ist, einen Hauptschulabschluss zu haben, der irrt leider. Noch immer ist die Zahl der Erwerbstätigen hoch, die die Hauptschule bzw. Mittelschule nicht abgeschlossen haben. Ganz zu schweigen von der Zahl derjenigen, die vor 35 Jahren ohne Abschluss von der Schule abgingen. Dass das BFI gemeinsam mit der Arbeiterkammer Tirol vor nunmehr 35 Jahren Vorbereitungskurse für den Hauptschulabschluss eingeführt hat, war und ist ein wichtiger Baustein unseres Bildungssystems, das sich seither natürlich weiterentwickelt hat. So mussten sich die Teilnehmerinnen und Teilnehmer der ersten Vorbereitungskurse am BFI Tirol am Lehrplan der Hauptschule orientieren. Das heißt: Wollte man mit 30 Jahren den Hauptschulabschluss nachmachen, musste man sich den Lehrstoff aneignen, der normalerweise für 14-Jährige gedacht war. Dies war weder teilnehmerorientiert noch lebensnah. Erst 2012 wurde mit dem Pflichtschulabschlussprüfungsgesetz die Möglichkeit eines altersadäquaten Pflichtschulabschlusses für Jugendliche und Erwachsene geschaffen.

Durch die Vorreiterrolle und das Know-how des BFI in diesem Bereich entstand am freien Markt aber nicht nur ein Angebot zur Vorbereitung auf den Hauptschulabschluss, auch das AMS beauftragte in weiterer Folge das BFI mit einem sogenannten „Berufskundlichen Hauptschulabschluss“, später „Mittelschulabschluss“. Denn es war klar, dass das Nachholen des Hauptschulabschlusses eine wichtige arbeitsmarktpolitische Funktion erfüllte und dass es vielen jungen Menschen im Laufe der letzten 35 Jahre gelungen ist, eine Grundbildung zu erlangen und damit Anschluss am Lehrstellen- bzw. Arbeitsmarkt zu finden. Und diese wichtige Funktion für den Arbeitsmarkt ist bis heute unverändert.

Deshalb kann das Angebot auch nicht hoch genug eingeschätzt werden – 35 Jahre Vorbereitung für den Hauptschulabschluss dürfen gefeiert werden!“

Erwin Zangerl,Präsident der AK Tirol

www.bfi.at

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