Start News „Wir stehen heute auch nicht mehr an der Dampfmaschine und am Webstuhl“

„Wir stehen heute auch nicht mehr an der Dampfmaschine und am Webstuhl“

Michael Strugl © Christian Fürthner/Oesterreichs Energie

Der designierte Verbund-Chef Michael Strugl sprich im LEADERSNET-Interview über die Bedeutung der Digitalisierung für die Energiewirtschaft, wie ein Blackout verhindert und was nicht digitalisiert werden kann.

LEADERSNET: Wie wichtig ist die Digitalisierung für die Energiewirtschaft?

Strugl: Digitalisierung ist ein globaler Technologietrend, der natürlich auch den Energiesektor massiv beeinflusst, sowohl auf der technologischen Seite mit den Anlagen, Kraftwerken und Netzen, bis hin zum Markt. Der Handel ist heute ohne digitale Kanäle oder Algorithmen nicht mehr vorstellbar. Die ganzen Prognosen, die wir für unsere Planungen brauchen, sind auf digitaler Basis erstellt. Damit ist die Digitalisierung bis hin zum einzelnen Verbraucher, der sein Smart Home mit digitaler Technologie steuern kann, eigentlich schon Alltag geworden.

LEADERSNET: Kann die Netzinfrastruktur da mithalten?

Strugl: Netzinfrastruktur ist eine wichtige Voraussetzung dafür, dass das System funktioniert. Wenn diese Infrastruktur nicht im ausreichenden Ausmaß ausgebaut wird und nicht zur Verfügung steht, dann bekommen wir Probleme. Das, was in der Öffentlichkeit am meisten diskutiert wird, ist die Gefahr eines Blackouts. Damit das nicht Wirklichkeit wird, sind ausreichend ausgebaute Netze die wichtigste Voraussetzung.

LEADERSNET: Wo liegen Ihrer Meinung nach die Grenzen der Digitalisierung?

Strugl: Es kann nicht alles digitalisiert werden – vor allem nicht im zwischenmenschlichen Umgang. Ich glaube, das gilt für uns alle. Wir haben auch in unserem Unternehmen Kundenbeziehungen. Wir haben Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter, die bei den Anlagen dafür sorgen, dass der sichere Betrieb gewährleistet ist, und dass die Versorgungssicherheit gegeben ist. Und neben der Technik ist es auch der Mensch, der hier maßgeblich ist. Ich würde sogar sagen, er ist das Maß der Dinge dabei.

LEADERSNET: Würden Sie die Aussage, dass die Digitalisierung kein Jobkiller, sondern sogar ein Motor für die Wirtschaft ist, unterschreiben?

Strugl: Ich würde das schon so sehen. Ich nenne Ihnen ein Beispiel: Der Sektor, der in der Produktion am frühesten und am schnellsten automatisiert wurde, ist der Automotive-Sektor und in diesem Sektor sind die meisten zusätzlichen Arbeitsplätze seit dieser Digitalisierung entstanden. Das heißt, es ist nicht notwendigerweise so, dass die Digitalisierung Arbeitsplätze vernichtet. Aber sie wird die Arbeitswelt natürlich verändern. Die Arbeitswelt wird eine andere sein, und es werden neue Arbeitsplätze entstehen. Andere werden vielleicht verschwinden, so wie bei jedem technischen Fortschritt – weil sonst würden wir heute noch an der Dampfmaschine und am Webstuhl stehen.

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