Monika Sandberger © z.l.ö./Peter Baier

zukunft.lehre.österreich.: Warum Regionalität immer öfter das Trumpf-Ass von Firmen bei der Lehrlingssuche wird

„Wie kam es dazu, dass du dich für diesen Beruf und diesen Betrieb entschieden hast?“ Wenn Monika Sandberger Lehrlinge das fragt, hört die Geschäftsführerin von z.l.ö. – zukunft.lehre.österreich. sehr oft: Der erste Impuls kam aus dem persönlichen Umfeld – von Eltern, Großeltern, Geschwistern oder Freunden.

In Österreich gibt es mehr als 200 Lehrberufe. Viele davon werden von Jugendlichen kaum wahrgenommen. Genau deshalb fordert zukunft.lehre.österreich., Österreichs größte private unabhängige und branchenübergreifende Lehrlingsinitiative, eine verbindliche, praxisnahe und ergebnisoffene Berufs- und Bildungsorientierung in allen Schultypen. Denn die entscheidende Frage ist: Wie finden Jugendliche einen Weg, der zu ihren Stärken und Interessen passt – und Unternehmen jene Lehrlinge, die zu ihnen passen?

Berufs- und Bildungsorientierung: flächendeckend und ergebnisoffen
Die Betriebe selbst drehen an allen Schrauben, um Talente heute zu erreichen: Aktivitäten in der digitalen Welt und auf Social Media sowie Tage der offenen Türe sind dabei nicht wegzudenken, genau das gleiche gilt für Berufsinfo- und Lehrlingsmessen. Große „Schaufenster“ für die Jobwelt erfüllen dabei weiterhin eine wichtige Funktion. Sie machen Ausbildungswege sichtbar und ermöglichen, unterschiedliche Berufsbilder kennenzulernen.

Wenn es jedoch um die konkrete Lehrlingssuche geht, setzen Betriebe zunehmend auf kleinere, regional verankerte Formate und direkte Kontakte. Jugendliche und Eltern können mit Ausbilder und Ausbilderinnen und Lehrlingen sprechen, den Betrieb kennenlernen und im besten Fall schon einen Eindruck vom künftigen Arbeitsplatz gewinnen. Gleichzeitig erhalten die Unternehmen einen ersten Eindruck von potenziellen Bewerber und Bewerberinnen.

„Unternehmen wollen vor allem jene Jugendlichen erreichen, für die eine Ausbildung im jeweiligen Betrieb tatsächlich infrage kommt“, hört Sandberger immer wieder von zukunft.lehre.österreich.-Mitgliedsbetrieben. Dabei gewinnt ein Faktor besonders an Bedeutung: die Distanz zwischen Wohnort und Arbeitsplatz.

Kriterium: Der Ausbildungsplatz muss gut erreichbar sein
Für viele Jugendliche zählt nämlich nicht nur, welcher Beruf sie interessiert oder welche Karrierechancen ein Unternehmen bietet. Entscheidend ist auch, ob der Ausbildungsplatz gut erreichbar ist. Gerade bei 15- oder 16-Jährigen sind längere Arbeitswege oft schwierig – besonders im ländlichen Raum. Einige Unternehmen reagieren darauf bereits sehr pragmatisch und bieten sogenannte „Lehrlingsshuttles“ an – vergleichbar mit einem Schulbus. Jugendliche werden an zentralen Punkten oder nahe ihrem Wohnort abgeholt und zum Ausbildungsbetrieb gebracht. So wird Erreichbarkeit selbst Teil der Lehrlingsstrategie.

Trotzdem sollten Jugendliche nicht nur jene Berufe kennenlernen, die in ihrem unmittelbaren Umfeld besonders präsent sind. „Sie müssen auch erfahren, welche weiteren Möglichkeiten ihnen offenstehen und welche Talente und Fähigkeiten sie mitbringen“, betont Sandberger.

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