Margit Kreuzhuber © Maximilian Fischer

WORK in AUSTRIA – Margit Kreuzhuber: Internationale Fachkräfte und wie Österreich seinen Talentpool erweitert (Gastkommentar)

Der Fachkräftemangel ist längst mehr als ein Personalthema: Er entscheidet mit darüber, ob Unternehmen wachsen und innovativ bleiben können. Margit Kreuzhuber, Leiterin von WORK in AUSTRIA bei der Austrian Business Agency (ABA), erklärt, warum internationale Rekrutierung den heimischen Talentpool sinnvoll ergänzt – und worauf es ankommt, damit Fachkräfte in Österreich nicht nur ankommen, sondern bleiben.

Für viele österreichische Betriebe ist der Mangel an qualifizierten Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern bereits heute eine zentrale Wachstums- und Wettbewerbsfrage. Der aktuelle Fachkräfteradar der Wirtschaftskammer Österreich zeigt die Dimension: 61 Prozent der befragten Unternehmen erwarten in den kommenden drei Jahren eine weitere Verschärfung des Fachkräftemangels in ihrer Branche, 35 Prozent sogar eine starke Zunahme. Gleichzeitig rechnet nicht einmal ein Drittel mit einer steigenden Konjunktur oder Auftragslage. Dies bedeutet, dass sich der Fachkräftemangel unabhängig von der konjunkturellen Entwicklung zuspitzen wird.

Grund dafür ist die demografische Entwicklung. Der Anteil der Bevölkerung im erwerbsfähigen Alter sinkt, während in vielen Betrieben eine Pensionierungswelle bevorsteht. 47 Prozent der Unternehmen rechnen in den nächsten drei Jahren mit einer steigenden Zahl an Pensionierungen. Damit fehlen künftig nicht nur Arbeitskräfte, sondern es geht auch wertvolles Erfahrungswissen verloren.

Die Antwort darauf kann nicht in einer einzelnen Maßnahme liegen. Österreich muss vorhandene Potenziale am heimischen Arbeitsmarkt konsequent nutzen. Internationales Recruiting ersetzt diese Anstrengungen nicht. Es ergänzt sie dort, wo Unternehmen offene Stellen trotz intensiver Suche nicht besetzen können.

Erfolgreiche internationale Rekrutierung bedeutet jedoch mehr, als eine Stellenanzeige im Ausland auszuspielen. Transparente Prozesse, Offenheit für sprachliche Entwicklungsmöglichkeit und gezieltes Onboarding sind dabei entscheidend.

Denn wer für einen neuen Job nach Österreich zieht, trifft eine weitreichende Lebensentscheidung. Nicht nur die Position zählt, sondern das Gesamtpaket: Sicherheit, Wohnen, Kinderbetreuung, Schule, Gesundheitsversorgung und Perspektiven für mitziehende Familienangehörige. Unternehmen, die diese Fragen mitdenken und beim Ankommen unterstützen, erleichtern den Start und stärken die langfristige Bindung.

Genau hier setzt WORK in AUSTRIA der Austrian Business Agency an. Wir machen den Arbeits- und Lebensstandort Österreich international sichtbar, geben Unternehmen Orientierung bei der Personalsuche, unterstützen das Matching mit qualifizierten Fachkräften und begleiten bei Fragen zu Zuwanderungsverfahren – etwa rund um die Rot-Weiß-Rot-Karte. Persönliche Beratung und digitale Angebote wie der Talent Hub greifen dabei ineinander.

Der Bedarf ist groß: Im Jahr 2025 hat unser Team rund 21.000 internationale Spitzenkräfte, Studierende und deren Familienmitglieder zu Leben und Arbeiten in Österreich beraten. Unsere Erfahrung zeigt: Je klarer Prozesse, Zuständigkeiten und Perspektiven kommuniziert werden, desto eher wird aus einem ersten Kontakt eine nachhaltige Beschäftigung.

Internationales Recruiting ist deshalb kein kurzfristiges Reparaturinstrument, sondern Teil einer vorausschauenden Personalstrategie. Wir empfehlen Unternehmen, frühzeitig zu klären, welche Kompetenzen sie künftig benötigen, wo sie diese finden und welche internen Strukturen internationale Teams brauchen. Auch hier gilt: Professionelles Onboarding, Weiterbildung und Führung entscheiden mit darüber, ob aus einer Rekrutierung eine langfristige Zusammenarbeit wird.

Wenn es uns gelingt, heimische Potenziale besser zu nutzen und zugleich internationale Fachkräfte gezielt anzusprechen, zu gewinnen und zu halten, erweitern wir nicht nur den Talentpool einzelner Betriebe. Wir stärken den gesamten Wirtschaftsstandort. Internationale Fachkräfte bringen Wissen, Erfahrung und neue Perspektiven ein – und tragen damit zur Innovationskraft und Wettbewerbsfähigkeit Österreichs bei.

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